Nachdem wir den argentinischen Grenzposten hinter uns gelassen haben, geht es zunächst in ein neu gebautes, großes Duty-Free Einkaufszentrum. Wir haben ja in den nächsten Monaten so einige Naturschönheiten und Wildparks auf dem Zettel und decken uns deswegen hier schon mal mit einem neuen Fernglas ein. Danach erleben wir einen der schnellsten und einfachsten Grenzübergänge überhaupt (für das Fahrzeug benötigt man hier keine Einfuhrpapiere!) und sind nach weniger als 10 Minuten in Brasilien.

Wir fahren auf den Camping Paudimar bei Foz do Iguacú und richten uns hier häuslich ein, da wir ein paar Tage bleiben werden. Der Platz ist zu unserer Überraschung zugeparkt mit Wohnmobilen, und zwar zum größten Teil mit Mobilen aus Chile, die hier auf dem Weg zu den Fußballstadien, in denen Chile seine WM-Partien austrägt, einen Zwischenstopp einlegen. Am nächsten Morgen sind alle weg und für uns geht es zu den Iguacú Wasserfällen. Es sind zwar nicht die höchsten, aber mit 2.700 Meter Breite die mit Abstand größten Wasserfälle der Welt. Wir erfahren außerdem, daß vor zwei Tagen auf Grund der wahnsinnigen Regenfälle die historische Höchstmarke mit über 46 Millionen Liter Wasser pro Sekunde! erreicht wurde. Zu unserer Erleichterung sind die Tore des Parks geöffnet und ein Bus bringt uns zum Besucherzentrum. Der Wasserspiegel des Rio Iguacú ist schon wieder um einige Meter gesunken und die Wanderwege am Rand des Flusses sind wieder geöffnet. Nur die Aussichtspunkte in den Wasserfällen sind noch gesperrt, da von den Stegen größtenteils die Eisengitter durch das Hochwasser weggerissen wurden. Zum Glück spielt das Wetter heute mit und wir sehen die gigantischen Wassermassen in einem großartigen Panorama die Fälle hinunterrauschen. Vor allem, wenn man nahe an den Fällen steht, ein tolles Erlebnis. Währenddessen kann man jede Menge Nasenbären dabei beobachten, wie sie nacheinander jeden Müllbehälter durchstöbern, oder die Touristen regelrecht attackieren, um ihnen Essbares aus den Taschen zu locken.

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01 Iguazu Wasserfaelle 02 unglaubliche Wassermassen stuerzen in die Tiefe03 Luftakrobaten vor einem gewaltigen Wassersturz04 der Dunst erzeugt einen Regenbogen05 immer schoen dem Futter hinterher06 oder in der Muelltonne suchen07 feuchtes Vergnuegen08 die Gitter wurden weggeschwemmt09 die gesperrten Stege10 wir sind trotzdem begeistert11 Panorama vom Anfang der Wasserfaelle12 Panorama vom Ende der Wasserfaelle

Nicht weit vom Eingang zu den Wasserfällen entfernt ist ein ganz besonderer Tierpark. Im „Parque de las Aves“ kann man sich vor allem die exotischen Vögel der hiesigen Tropenwelt mal etwas näher betrachten. Wir sind zwar nicht so sehr die Vogelfanatiker, aber ein paar Vogelarten haben es uns in den letzten Jahren schon angetan, u.a. der Tukan. Und genau diesen kann man hier im Park besonders gut beobachten. Es gibt hier gleich mehrere Arten dieser wunderschönen Vögel und die sonst so menschenscheuen Tiere fliegen einem hier regelrecht um die Ohren oder landen neugierig direkt neben einem auf dem Geländer. Außerdem machen noch viele andere exotische Vögel und Reptilien den Park zu einem sehr lohnenswerten Ausflugsziel.

01 Schwarzbueschelaffe 02 Schwarzbueschelaffe03 ein Rotbrust Tukan04 wartet hier wohl jemand auf seine Belohnung fuers Bild 05 die haben uns besonders gefallen06 auch Reptilien kann man hier besichtigen07 ein Hokko08 der Tukan - einfach ein toller Vogel 09 schoen angelegte Bereiche10 Rotfuss Seriema11 was gibts denn da zu sehen12 Aras

Nachdem wir uns das Eröffnungsspiel der Fußball Weltmeisterschaft noch in Foz do Iguacú angesehen haben, wollen wir nun etwas weiter in südöstlicher Richtung nach Brasilien weiterreisen. Die Strecke führt uns durch eine hügelige Landschaft mit saftigen Wiesen und weidenden Kühen und erinnert ans Allgäu. Hier soll sich eine große Population an europäischen Auswanderern niedergelassen und die Orte dieser Region mit einem gewissen Flair aus der jeweiligen Heimat ausgestattet haben. Diesen Eindruck bekommen wir schon in vollem Umfang bei der Einfahrt in den Ort Treze Tilias. Österreichische Auswanderer aus Tirol haben das ca. 6.000 Einwohner zählende Städtchen so gebaut, daß man sich hier wirklich wie mitten in Österreich fühlt. Wir fahren vorbei an zahlreichen Fachwerkgebäuden, Bäckereinen, Metzgereien und Hotels mit ausschließlich deutsch klingenden Namen und halten schließlich bei der Touristeninformation. In weniger als einer Stunde beginnt nämlich das Spiel Deutschland gegen Portugal und wir versprechen uns hier ein Public Viewing mit viel unterstützenden Fans. Die freundliche Dame im Büro erklärt uns aber im netten tiroler Dialekt, daß hier nirgends eine solche Möglichkeit zum Fußballgucken besteht, aber im Hotel Tirol immerhin ein großer Fernseher das Spiel überträgt. So erleben wir das erste Spiel unserer Mannschaft schließlich im Speiseraum des Hotels, in dem neben uns nur noch ein brasilianisches Paar sitzt, das sich scheinbar nicht für Fußball interessiert. Die sehr freundlichen Besitzer des Hotels Tirol laden uns aber nach dem Spiel ein, auf dem Parkplatz hinter deren Wohnhaus zu parken und mit Strom und Wasser ausgestattet ein paar Tage hier zu verbringen. Außerdem werden wir mit frisch gebackenen Brot und diversen Früchten beschenkt. Zum zweiten Fußballspiel der Brasilianer werden wir sogar zum Essen eingeladen und sitzen gemeinsam mit der gesamten Familie von den Großeltern bis zu den zahlreichen Enkeln in deren Aufenthaltsraum und sind mal wieder von der Gastfreundschaft begeistert.

01 wir sind noch immer in Brasilien02 oder doch schon in Oesterreich03 am Hotel Tirol duerfen wir bleiben04 brasilianische Puppenstube05 wandern in den Waeldern von Treze Tilias06 und betrachten den Ort von oben07 am Parque Central08 oesterreichische Botschaft

Nicht weit von Treze Tilias ist Piratuba. Ein typischer Kurort, in dem Menschen in Bademänteln auf der Straße flanieren oder zum Einkauf gehen. Wir parken auf dem Campingplatz direkt bei der Therme und stellen uns neben ein riesiges Wohnmobil, dessen Besitzer Raul Peress uns sogleich freudig begrüßt. Trotz seiner deutschen Wurzeln spricht er kein Wort Deutsch, wir können uns aber in einem Mix von Englisch und Spanisch gut mit ihm unterhalten. Raul ist Schlagersänger und tritt in verschiedenen Kurhotels u.a. als Julio Iglesias Coversänger auf. Am nächsten Tag genießen wir erst das Thermalbad von Piratuba, bevor wir am Abend der Einladung von Raul folgen und seine Show in einem großen Hotel des Kurorts verfolgen dürfen.

01 Kurort Piratuba02 auch hier sieht es sehr europaeisch aus03 ein tolles Exemplar am Campingplatz0405 wir sind in der Therme06 und geniessen warmes Wasser07 Show von Raul Peress08 Raul hat uns zu seiner Show eingeladen

Gramado ist ein Ort mit mehrheitlich italienischen und deutschen Wurzeln. An jeder Zufahrtsstraße wird man durch ein schönes Tor empfangen, das einen gleich auf den europäischen Charakter des Ortes hinweist. Überall prägt Fachwerk das Ortsbild und der sehr schöne Stadtkern erinnert an exklusive Dörfer in italienischen Skiorten. Und das nicht nur optisch, sondern auch was das Preisgefüge betrifft. In dem deutschen Restaurant „Fritz Haus“ habe ich ein Bier bestellt, ohne nach dem Preis zu fragen (was generell ein Fehler ist). Die Sichtung eines Schlenkerla Rauchbier aus Bamberg in der Vitrine des Lokals hat mich einfach zu sehr gereizt. Die umgerechnet 9 EUR teure Flasche war dann aber auch die einzige, die ich mir hier gegönnt habe. Wieder am Wohnmobil spricht uns ein Mann namens Ederson an, der, ebenfalls mit deutschen Wurzeln ausgestattet, eine Firma hat, die Wohnmobile herstellt. Er lädt uns ein, vor seiner Firma zu übernachten und seine perfekt Deutsch sprechenden Angestellten Luis und Christian führen uns durch die Produktionsstätte und sorgen für unser Wohlbefinden. Uns beeindruckt die hohe Qualität der Wohnmobile, die die Fabrik von „Santo Inacio Motorhomes“ verlassen, aber auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, mit der wir hier wie selbstverständlich empfangen werden.

01 Gramado02 Schweizer Leckereien03 Gramado ein Ort fuer kulinarische Geniesser04 Wasserfontaenen im Park05 Kuckucksuhr06 im Praca das Etnias07 im Praca das Etnias08 leckerer Streuselkuchen aus dem Ofen09 kleines nostalgisches Karussell10 so stellt man sich Brasilien wohl nicht vor11 und so wird man verabschiedet12 beim Wohnmobilhersteller Santo Inacio uebernachten wir

Das Spiel Deutschland gegen USA steht an und uns wird empfohlen, nach Nova Petropolis zu fahren, da dort überwiegend deutsche Auswanderer leben sollen. Wieder suchen wir nach einem Public Viewing oder wenigstens einer großen Bar mit vielen deutschen Fans, um gemeinsam zu feiern. Wieder werden wir enttäuscht. Niemanden interessiert das Spiel. In einem Café läuft ein Fernseher, auf dem wir das Spiel entdecken. In dem komplett gefüllten Lokal schaut niemand auf die Partie und der Ton ist aus. Wir gehen frustriert zurück zum Mobil und sehen leider nichts von dem Spiel. So geht es in den „Parque Aldeia do Imigrante“, eine Art Freilandmuseum, welches einen Einblick auf die Geschichte der deutschen Imigranten in dieser Region gibt.

01 deutscher Park in Nova Petropolis02 wie zu Hause 03 deutscher Friedhof04 der Maibaum darf natuerlich nicht fehlen

Unsere Hoffnung hat sich erfüllt. Deutschland ist Gruppensieger und hat somit das Achtelfinale in Porto Alegre erreicht. Für uns die Chance, ein WM-Spiel der Deutschen live mitzuerleben und wir fahren sofort in die brasilianische Großstadt mit ihren rund 1,5 Millionen Einwohnern. Christian von Santo Inacio in Gramado erzählte uns von einem Kunden, der in Porto Alegre lebt und ein Wohnmobil von Santo Inacio fährt. Sergio hat eine große Tankstelle und als wir bei ihm vorbei fahren und nach einer Stellplatzmöglichkeit nachfragen, bietet er uns sofort einen sicheren Platz neben seinem Mobil an. Dank Sergio haben wir eine gute Ausgangsposition, um Porto Alegre zu erkunden und uns um Tickets für das Spiel zu kümmern. Die Stadt gefällt uns recht gut. Im Zentrum gibt es kleine Märkte und riesige Shoppingmalls und im Parque Harmonia kann man in einem nachgebauten Gauchodorf gut essen, Gauchos beim Handling mit den Pferden beobachten, Souvenirs einkaufen oder mit den ersten deutschen Fans Fußball schauen. Gleich gegenüber befindet sich das FIFA-Fandorf, das zum ersten Mal einen Eindruck eines guten Public Viewings hinterläßt. Wir schauen hier noch das Spiel Holland-Mexiko, beim zweiten Anlauf dorthin ist aber nach einem starken Regen in der Nacht die halbe Stadt unter Wasser und wir können noch nicht mal den Bereich der Tankstelle verlassen.

01 unser netter Gastgeber Sergio02 im historischen Zentrum von Porto Alegre03 am Hafen04 eine der vielen Kirchen in der Stadt05 beim Mercado Publico06 Gauchos im Parque Harmonia07 typisches Gauchodorf08 fuer den traditionellen Matetee kann man hier alles kaufen09 im Gauchodorf10 Land unter in Porto Alegre11 da bleiben wir lieber zu Hause12 stylen fuer die Fussball WM

Heute ist das Spiel der Deutschen gegen Algerien und wir haben noch immer keine Tickets bekommen. Bei der FIFA und über deren Webseite haben wir keinen Erfolg und so ziehen wir am Morgen in die Stadt, um uns mal umzuhören. Die ersten Tickets, die uns von einem Deutschen angeboten werden, liegen weit über unserem Budget. Der gute Mann hat scheinbar jede Menge Tickets zum Verkauf, verhandelt mit uns und zeitgleich über das Telefon mit weiteren Interessenten. Sein Angebot liegt aber nicht mal in der Nähe des Akzeptablen und wir suchen weiter. Ohne Erfolg vergeht der Tag und wir stehen schließlich am Eingangsbereich zum Stadion und probieren dort weiter unser Glück. Preise von 1.000 Dollar das Ticket sind unverschämt, unakzeptabel und vielleicht dann auch noch gefälscht. Wir finden uns schon damit ab, beim FIFA-Fandorf das Spiel verfolgen zu müssen, als uns eine Stunde vor dem Spiel noch ein Deutscher anspricht und zwei Tickets zu einem Preis anbietet, der genau unserem Budget entspricht. Kurz darauf sitzen wir im Stadion und freuen uns riesig, daß es doch noch geklappt hat. Das Spiel zeigt zwar nicht die beste Leistung unseres Teams, aber letztendlich mit Verlängerung gewonnen und wir sind live dabei gewesen – was wollen wir mehr.

01 Porto Alegre begruesst die WM Fans02 FiFa Fan Meile03 fuer Sicherheit ist gesorgt04 deutsche Fans sind begehrte Fotoobjekte05 perfekte Unterstuetzung fuers deutsche Team06 Fanzug zum Stadion07 bis zum Stadion haben wir es schon geschafft08 wir sind im deutschen Fanblock09 reine Nervensache10 und wir sind live dabei11 endlich Tooor fuer Deutschland12 Danke an die mitgereisten Fans

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Aktualisiert (Sonntag, den 06. September 2015 um 17:27 Uhr)