Wir sind noch immer in der Provinz Córdoba unterwegs. Nach einer Nacht auf dem Parkplatz des Hospitals am Rande des Städtchens Mina Clavero geht’s am nächsten Morgen in das naheliegende Örtchen Nono. Wir nehmen einen Abzweig über eine 5 km staubige Schotterpiste ins Hinterland, und nachdem wir uns schon überlegt haben, nicht doch wieder umzukehren, stehen wir vor Einem, den wir hier am allerwenigsten erwartet hätten, Albrecht Dürer. Uns Albrecht, der mit Abstand bekannteste Zögling unserer Heimatstadt Nürnberg, steht in Übergröße und äußerst gutaussehend als Statue vor uns und blickt über den staubigen Parkplatz des Museums „Rocsen“. Neben ihm stehen noch weitere 48 Persönlichkeiten der Weltgeschichte von Archimedes und Leonardo da Vinci, über Einstein, Mutter Theresa, Kepler bis zu Edison und Gandhi. Der Bretone Jean-Jaques Bouchon eröffnete hier vor über 40 Jahren dieses Museum mit dem Grundsatz „Der ganze Mensch für alle Menschen“ und hat die Sammlung über die Jahrzehnte ordentlich wachsen lassen. Es ist mehr die Halle eines „Messi“, Einem, der allesmögliche sammelt und sich von nichts trennen kann. Diese Sammlung des „Vielseitigen Museums“ ist allerdings wirklich sehenswert, wenn man auch Tage benötigen würde, um alles Interessante etwas näher zu betrachten. Für Claudia ist der Raum mit den alten Druckmaschinen aller Art interessant, während ich mehr Zeit in der Werkstatt mit ein paar Oldtimern verbringe. Es bringt nun nichts, aufzuzählen was man hier alles besichtigen kann, leichter wäre es wohl zu erwähnen, was es hier nicht gibt. Die Bilder geben sicher einen besseren Einblick ins außergewöhnliche Museum Rocsen.

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01 Museo Rocsen02 49 Statuen an der Stirnseite des Museums 03 es gibt viel Interessantes zu sehen04 dieser Schrumpfkopf ist gerade einmal 10 cm hoch05 das Museum ist beruehmt fuer seine Vielseitigkeit06 im Bereich der Druckerei 07 Film und Fotografie0809 Wohnraeume wurden nachgestellt1011 Lithografie - Berliner Mauer - Radios12 hier bleibt wohl jeder Mann etwas laenger

Zwei Tage bleiben wir dann auf dem absolut leeren und im Winter kostenlosen Camping Municipal in Nono. Hier muß im Sommer wahnsinnig viel Tourismus herrschen, wenn man die zahlreichen Campingplätze mit den dazugehörigen Grillstellen betrachtet. Wir machen einige Spaziergänge durch das aktuell ziemlich leere Flußbett des Rio De los Sauces und genießen den Blick auf die Berge am Rande des Valle Traslasierra. Und zur Feier des Tages – Mia hat ihren ersten Geburtstag – gibt es (nicht ganz uneigennützig) Ossobuco alla Milanese.

01 Mia feiert ihren ersten Geburtstag02 das zwitschern sogar die Papageie vom Baum03 wir gehen am Fluss spazieren 04 genau das Richtige fuer Mia

Auf der Fahrt weiter in Richtung Süden kommen wir heute bis ans Ende des Valle Traslasierra in den Ort Villa de Merlo. Als Übernachtungsplatz hat Claudia aber den Mirador Filo Serrano ausgesucht, der uns über eine kurvenreiche Teerstraße auf gut 2.200 Meter Höhe führt und uns einen tollen Blick auf Merlo und die Sierra de los Comechingones bietet. Die Besitzer der kleinen Verkaufsstände hier oben sind alle supernett, verkaufen uns leckere Salamis und Käse und empfehlen uns danach noch verschiedene Plätze für die Nacht. Wir suchen uns den windgeschütztesten Flecken aus, wandern noch zwei Stunden auf dem Plateau in der Abendsonne und beobachten einige Andenkondore bei ihrem allabendlichen Rundflug auf der Futtersuche.

01 es geht wieder hinauf in die Berge02 ein Andenkondor03 die Strecke ist sehr kurvenreich04 freundliche Einheimische verkaufen ihre Ware05 gerne kaufen wir bei den Einheimischen ein06 dann geht es auf Erkundungstour07 Bauernhof fast wie im Mittelalter08 das Lamm hat alles im Blick09 unsere Nachbarn 10 wir bleiben ueber Nacht hier oben11 genial - besser haette der Kondor sich nicht positionieren koennen12 wir fahren wieder ins Tal zurueck

Wir wollen weiterfahren und planen die heutige Strecke, verspäten uns aber, da einer von uns Beiden unbedingt das Qualifikationsspiel zur Fußball-Europameisterschaft Deutschland-Polen sehen will. Bei Tageslicht ist danach nicht mehr viel Strecke zu machen, was uns aber letztlich einen schönen, ruhigen Stellplatz am Lago Piscu beschert.

01 durch Zufall finden wir diesen Platz02 Uwe ganz entspannt03 herrlich ruhiger Uebernachtungsplatz 04 wir geniessen noch den Sonnenuntergang

Im letzten Mai waren wir schon einmal in der Region „de La Pampa“ unterwegs und wollten eine Mennonitensiedlung besuchen. Damals haben aber ein paar regenreiche Tage die Straßen für uns unpassierbar gemacht. Jetzt sind wir wieder auf dem Weg durch die La Pampa und wollen es noch einmal versuchen. Erst ist jedoch ein Abstecher in die Provinzhauptstadt Santa Rosa notwendig, da sich bei mir beim gestrigen Abendessen eine Krone verabschiedet hat. Wir finden schnell einen Zahnarzt, der zum einen bereit ist mich sofort dranzunehmen. Zum anderen macht er einen ganz kompetenten Eindruck und ich bin bereit, ihn an meine Zähne zu lassen. Alles läuft perfekt und nach einer halben Stunde ist die Sache für knapp 12 Euro wieder repariert.

Diesmal nehmen wir die Straße südöstlich der Mennonitensiedlung, zweigen bei einem kleinen Dorf namens „Perú“ in die staubige Schotterpiste ab und erreichen nach knapp 40 km den ersten von insgesamt 9 Campos der Colonia „la nueva Esperanza“, was soviel heißt wie „neue Hoffnung“.

01 staubige Strasse zu den Mennoniten02 letztes Mal konnten wir hier nicht fahren03 die Einen begruessen uns freundlich04 Andere sind misstrauisch und verstecken sich

Die Campos weisen alle die gleiche Struktur auf und es sieht ungefähr so aus, als wenn jedem die gleiche Größe Land zugwiesen wurde und man dann in Gemeinschaftsarbeit ein großes Haus – die Familien haben im Schnitt 10 Kinder - errichtet hat. Die älteren Einwohner beäugen uns sehr mißtrauisch, während die Kinder schon eher auf uns zukommen und Fragen stellen. Aber auch bei den Erwachsenen bricht das Eis (ein wenig!), wenn ich auf sie zugehe und sie etwas frage. Und dann kommt immer „wo kümmts her? – ut Dietschlond sits jekümme? Es wiet“. Oft scheitert die Kommunikation aber dann doch an unseren schlechten Plautdietsch-Kenntnissen. Und – überraschenderweise – die Mennoniten sprechen meist kein Spanisch. Hier mal ein paar Stunden zu verbringen gibt einem das Gefühl, einen Ausflug in die Vergangenheit zu machen. Wir fahren ganz langsam durch alle 9 Campos und werden überall ungläubig gemustert. Das Hauptverkehrsmittel hier ist die Pferdekutsche. Männer tragen Latzhose, kariertes Hemd und Hut oder Schirmmütze, die Frauen sind in altmodischen Kleidern unterwegs. Auch sie tragen Hut oder Kopftuch, denn Kopfbedeckung ist Pflicht.

05 Milchkannen stehen vor jedem Haus 06 hier ist die Zeit stehen geblieben07 Kopfbedeckung ist Pflicht08 auf dem Highway in der Mennonitensiedlung

In Kolonie 2 fragen wir dann das Oberhaupt einer Mennonitenfamilie, ob wir vor seinem Grundstück auf der Straße übernachten dürften. Es dauert einige Zeit, bis ich ihm klar machen kann, was ich da genau von ihm will. „Nee nee, es tjeen Problem“. Bei Einbruch der Nacht ist auch die Kolonie in vollkommenes Dunkel getaucht. Strom gibt es hier nicht. Musik und Tanz ist total verpönt, nur in der Kirche darf gesungen werden. Am nächsten Morgen wollen wir noch Käse aus der Produktion der Mennoniten kaufen und suchen nach einem Laden. Da der „Supermarkt“ nicht als solcher zu erkennen ist, finden wir ihn nur nach mehrmaligem Nachfragen im Campo 5. Wir kaufen Käse und Brot und sind überrascht, daß hier auch Genußmittel wie Kaffee, Schokolade und sogar Coca Cola verkauft werden. Das ist für die Mennoniten aber sicher „offiziell“ verboten und muß wohl für uns Besucher sein. Für uns ist der Aufenthalt im „la nueva Esperanza“ aber jetzt zu Ende und wir begeben uns wieder zurück in die Gegenwart und auf die lange Schotterpiste, übernachten noch eine Nacht in Perú und dann geht’s weiter in Richtung Süden.

09 spezieller Traktor fuer die Feldarbeit10 mit einfachsten Dingen spielen die Kinder11 am Waschtag gibt es viel zu tun12 neugierig sind fast alle

Die Landschaft auf unserem Weg zur Halbinsel Valdes macht ihrem Namen „La Pampa“ alle Ehre und bietet nur triste Steppe. Vorteil: die schnurgeraden, sehr wenig befahrenen Straßen lassen uns zügig vorankommen. Hin und wieder wird das Straßenbild von Guanakos, reitenden Gauchos oder von einer Ansammlung an roten Fahnen aufgelockert. Meist neben einem Schrein platziert wird hier einem argentinischen Volksheiligem gehuldigt. „Gauchito Gil“ ist der Schutzpatron der LKW-Fahrer, und diese stellen ihm dann schon mal ein kleines Geschenk in Form von Wasserflaschen, Reifen oder Radkappen zur Seite, um im Gegenzug unter seinem Schutz gesund das Ziel der Fahrt zu erreichen.

01 die Schweizer sind auch ueberall02 Kultstaette fuer Gauchito Gil03 fuer eine sichere Fahrt wird schon mal die Blende geopfert04 Gauchos

Endlich erreichen wir wieder die Atlantikküste Argentiniens und stoppen im Ort „Las Grutas“, da wir uns hier mit Martina und Lothar verabredet haben, um dann gemeinsam nach Valdes zu fahren. Die Beiden haben aber noch ein kleines Problem am Auto und müssen ihre Ankunft um einen Tag verschieben. Zwischenzeitlich treffen wir an der Strandpromenade auf die Norddeutschen Anke und Wolfgang. Kaum das wir uns begrüßt haben, sitzen wir schon am großen Tisch in ihrem riesigen MAN-Mobil und werden mit Fleischküchle, Rotkohl und Kartoffeln verwöhnt. Der Stellplatz bei den Dünen ist relativ windgeschützt, liegt oberhalb der Klippen mit tollem Meeresblick und sogar jede Menge Felsenpapageie nisten hier. Endlich sind wir alle zusammen und so fällt uns die Entscheidung nicht schwer, hier noch 2 Tage zu bleiben, bevor wir dann aber endgültig nach Valdes aufbrechen.

01 wir sind wieder in Las Grutas02 auch hier leben viele Felsenpapageie03 hier treffen wir auf Anke und Wolfgang04 herrlich die Spaziergaenge am Strand05 die Papageie brueten in den Felsnischen06 hier wird gekuschelt07 natuerlich findet Mia es hier auch toll08 neugierige Blicke

Zuvor werden aber im Supermarkt von Las Grutas unsere Nahrungsmittel-Bestände noch ordentlich aufgefüllt. Grober Plan ist, rund 2 Wochen an der Playa Pardelas zu stehen, um genügend Zeit zum Beobachten der Wale zu haben. Zwischen Mai und Dezember treffen sich hier Hunderte von Glattwale zur Paarung und um ihre Jungen zu gebären. Und Pardelas ist einer der besten Spots, an denen wir bisher gestanden sind. Das Felsplateau geht etwa 5 Meter über dem Meeresspiegel flach ca. 100 Meter ins Landesinnere. Und da das Meer am Rande des Plateaus gleich relativ tief abfällt, kommen die Wale sehr nah an die Kante heran. Etwas überraschend bei unserer Ankunft ist, daß kein weiteres Mobil auf Pardelas steht, dachten wir doch, während der Wal-Hauptsaison müsste hier Einiges los sein. Uns soll es recht sein und wir postieren uns einigermaßen windgeschützt am Anfang des Plateaus leicht erhöht auf einem Felsen. So sind wir auch bei stürmischem Wetter vor den Wellen geschützt. Aber aktuell paßt das Wetter! Die Sonne scheint und die ersten Wale springen in der Bucht, so in etwa haben wir uns das vorgestellt. Gemeinsam genießen wir die Tage bei Sonne und nicht allzu starkem Wind. Kurzzeitig kommen doch noch der ein oder andere Camper nach Pardelas, und als dann auch noch Silvia und Beat aus der Schweiz eintreffen, ist die große Travellerfamilie komplett.

01 Punta Pardelas hat uns wieder02 Manche winken uns freundlich zu03 Andere springen vor Freude04 Sauerbraten, Rotkohl und Kloesse - man was gehts uns gut05 tolle Landschaft auf Valdes06 die Maedels erkunden die Gegend07 einen genialen Ausblick hat man von hier oben08 wir sehen Wale in der Bucht09 unsere Mia10 Silvia und Beat sind auch eingetroffen11 dieses Jahr sind leider nicht so viele Wale hier12 einige kommen ganz nah ran13 die Kaelber sind hier in sicherem Gewaesser14 Abendstimmung auf Valdes15 unsere coolen Nachbarn16 hier ist es einfach herrlich

Einerseits hatten wir zwar gerade jetzt im September mit einer größeren Anzahl an Walen gerechnet, aber wir sind trotzdem zufrieden mit dem täglichen Besuch der großen Meeressäuger in der Bucht von Pardelas. Nach ein paar Tagen schlägt das Wetter um und die Temperaturen lassen unsere Heizungen öfter laufen als gedacht. So müssen wir mal kurz in den Hauptort von Valdes, nach Puerto Piramides, fahren, um unsere Gasflaschen wieder zu füllen. In so kleinen Dörfern ist natürlich nur eine Befüllung per Flasche-zu-Flasche möglich und es vergehen knapp 3 Stunden, bis wir insgesamt 3 leere 11-kg Flaschen wieder aufgefüllt haben. Das Wetter wird nicht besser, sondern es wird stürmisch und fängt nun auch noch an zu regnen. Während die anderen Traveller Pardelas schon verlassen haben, wollen wir gemeinsam mit Martina und Lothar hier noch ein paar Tage ausharren. Dann wird es uns doch zu ungemütlich, den ganzen Tag im Mobil hocken und den Regen und die stürmischer gewordene See zu beobachten. Wir entscheiden uns also zur Abfahrt und machen uns ob der matschigen Auffahrt beim Ausgang der Bucht etwas Sorgen. Einer göttlichen (Lotharschen-) Eingebung folgend lassen wir Martina und Lothar mal den Vorzug beim Erklimmen des matschigen Hügels. Als wir sehen, wie schon deren MANni zu kämpfen hat, ist uns schon fast klar, daß wir da wohl alleine nicht hochkommen. Schließlich hängen wir mit dem Heck in der linken Seite des Hanges und die Reifen drehen auf der Schmierpiste durch. Mit Lothars Abschleppseil ist es dann aber kein Problem und wir sind schnell wieder aus unserer misslichen Situation befreit.

01 das Wetter wird schlecht02 die Wale sind heute zum Greifen nah03 Mia ist immer vorne dran04 in Piramides werden die Gasflaschen befuellt05 wir gehen trotz der Kaelte spazieren06 ein totes Walbaby liegt am Strand07 mit dem Walknochen waere Mia eine zeitlang beschaeftigt08 es geht in einen kleinen Canyon09 na da ist ja mal wieder Einer10 eine Gruppe Playerito Blanco11 besser als jedes Kino12 wer zeigt uns seine schwarzen Engelsfluegel 13 das Wetter wird leider nicht besser14 auf der schmierigen Piste bleiben wir haengen15 die Vorbereitungen laufen 16 MANni zieht uns aus dem SCHLAMMassel

Während Martina und Lothar sowie Anke und Wolfgang noch ein paar Tage an der Playa Pardelas verbringen wollen, verlassen wir Valdes wieder und parken erst mal außerhalb des Nationalparks an der Playa Doradilla. Zum einen hab ich mir nun doch noch eine Erkältung zugezogen, die es gilt auszukurieren, zum anderen treiben sich hier in Doradilla weitaus mehr Wale herum als auf Valdes. Sind schon die ersten drei Tage hier sehr beeindruckend, begeistert uns der vierte und letzte Tag bei Doradilla vollends. 9 Mutterkühe samt ihren Kälbern geben sich gleichzeitig die Ehre und schwimmen, springen und tummeln sich im Wasser in absoluter Strandnähe – ein unvergesslicher Abschluß für uns.

01 an der Playa Doradilla 02 wir sehen gleich die ersten Wale03 eine Walmutter mit ihrem Nachwuchs04 sie zeigen sich sehr nah05 na das faengt  ja schon super an06 wir stehen in der ersten Reihe07 Gewicht und Laenge im Vergleich08 heute sind 9 Walmuetter mit Nachwuchs direkt am Strand 09 Wale fast zum Anfassen10 hier ist richtig was los11 die Walmutter liegt entspannt am Ruecken und laesst sich fast an den Strand treiben12 wir sind begeistert

 

 

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