Nach 12 Tagen verlassen wir wieder den Nationalpark Alerces – eingeplant waren ursprünglich mal so 3 Tage - und reisen weiter in Richtung Norden. Kurz nach Cholila halten wir an einem Schild mit der Aufschrift „Butch Cassidy“. Hier soll das Gangstertrio um Butch Cassidy, Sundance Kid und Etta Place nach ihrer Flucht aus den Staaten in einer Blockhütte gelebt haben. Leider ist das Grundstück abgesperrt und so können wir nur aus der Entfernung das Gangsternest erspähen. Westernfans kennen die Namen sicherlich aus dem Film „Zwei Banditen“ mit Robert Redford und Paul Newman, einer meiner Lieblingsstreifen. Danach geht es gemütlich durch eine herrliche Berglandschaft zum Lago Puelo, wo wir 2 Nächte bleiben.

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01 Bis hierher hat es das Trio geschafft  02  Butch - Sundance und Etta lebten hier03 Ausblick auf den Lago Puelo04 Lago Puelo

In El Bolson, einer als Hippiestadt bekannten, kleinen Gemeinde, stocken wir erst mal unsere leeren Lebensmittelvorräte wieder auf. Der Ort verfügt auch über einige Bierbrauereien mit deutscher Qualität. Ja sogar Rauchbier wie beim Schlenkerla in Bamberg soll es hier geben. Zwei Fläschchen des ziemlich teuren Gerstensaftes gönn ich mir dann auch und es schmeckt gar nicht schlecht, kann mich als Schlenkerla-Rauchbierfan aber nicht ganz überzeugen.

Jeden Samstag ist großer Hippie-Markt im Zentrum. Logisch müssen wir da mal durchlaufen. Also Claudia muß, für mich ist es aufgrund des mangelnden Platzangebotes in unserem Wohnmobil ein ziemlich relaxter Spaziergang.

Oberhalb von El Bolson gibt es ein Waldstück namens „Bosque Tallado“, welches laut der Chefin unseres Campingplatzes ziemlich einfach über einen 11 km langen, stetig aufsteigenden Wanderweg zu erreichen ist. Im Bosque Tallado haben sich Künstler aus El Bolson einen abgebrannten Teil des Waldes zu Nutze gemacht, um dort zahlreiche große Skulpturen zu schnitzen. Die Bilder im Internet überzeugen uns und wir starten den Hike. Der Pfad durch den Wald ist zwar einigermaßen beschildert, trotzdem verfranzen wir uns an einer unübersichtlichen Stelle und gehen mehr als 1 km in die falsche Richtung - bergauf wohlgemerkt. Wir finden nach einiger Zeit wieder den richtigen Weg und marschieren noch ein paar Kilometer weiter, bis uns dann irgendwie die Körner ausgehen. Es wären noch gut eineinhalb Stunden steiler Aufstieg zu bewältigen. Wir machen erst mal eine Pause, und während wir überlegen, ob wir nicht doch wieder umkehren sollten, nimmt uns ein Gewitterdonner aus der Entfernung die Entscheidung ab. Wir bezweifeln außerdem, daß die Camping-Chefin jemals selbst den Weg „zu Fuß“ bewältigt hat, und erreichen nach 6 Stunden wieder ziemlich platt den Campingplatz.

01 Hippiemarkt in El Bolson02 argentinische Raeuchermaennchen03 Dreamcatcher04 gut das wir keinen Platz haben05 bald ist Weihnachten06 nette Ideen07 mehr Figuren sind im Bosque Tallado08 hier oben liegt unser Ziel09 Wasser wird verteilt und eingeteilt10 schoene Landschaft -- falscher Weg11 nicht nur wir sind platt12 endlich Waaasser

Es zieht eine Schlechtwetterfront über Patagonien und wir warten in El Bolson noch ein paar Tage, bis sie sich verzogen hat. Plan ist, noch einmal etwas nach Süden und über die Schotterpiste der Routa 12 zum Piedra Parada zu fahren, einem über 200 Meter hohen, „stehenden Stein“ in einem riesigen Tal entlang des Rio Chubut. Kurz vor Esquel biegen wir ab und nach ca. 20 km endet die Teerstraße. 40 km weiter erreichen wir eine der wenigen Siedlungen auf der Routa 12, Gualjaina. Nach einer kleinen Pause geht es dann weitere knapp 50 km auf staubiger Straße, bis wir den Piedra Parada erreichen. Schon jetzt ist uns klar, dieser Trip hat sich gelohnt! Der Stellplatz am Rio Chubut ist gigantisch, der Ausblick auf den Piedra Parada sowie auf die Felsenlandschaft mit dem Eingang zum „Cañadón de la Buitrera“ entschädigt die lange Fahrt.

01 wir stehen am Piedra Parada02 na wer findet uns03 ja ja - unsere Lieblingsbeschaeftigung04 es geht in den Canyon

Außer uns sind nur noch ein paar Kletterer aus Chile, Frankreich und den USA mit ihren Zelten am Rio Chubut. Wir treffen sie allesamt wieder, als wir am nächsten Tag durch den Cañadón de la Buitrera wandern. Zahlreiche Kletterspots machen diesen Bereich zu einem Highlight für Kletterfreaks aus der ganzen Welt. Nach 3 km erreicht man das Ende der Schlucht, die nachfolgende Landschaft ist natürlich eingezäunt, da in privater Hand. Irgendwie bekommt man in Argentinien den Eindruck, 99 Prozent aller Landschaften sind privat und alles ist umzäunt. Was solls, wir laufen zurück und genießen noch einmal den schönen Wanderweg durch den Canyon.

05 es gibt Infos ueber den Canadon06 wandern durch den Canadon del la Buitrera07 tolle Landschaft08 und ein Kletterparadies09 auch wir muessen klettern10 der Aufstieg ist nicht ganz einfach11 ein Chinchilla beobachtet uns12 schoen ist es hier

Gleich rechts neben dem Eingang zum Cañadón de la Buitrera gibt es einen weiteren Eingang zu einem anderen Cañon. Dieser ist aber in privater Hand…. und somit umzäunt! Wir beobachten aber, wie eine Gruppe einer geführten Radtour aus Argentinien mit ihrem Guide durch den Zaun krabbelt und in das Tal hineinspaziert. Einen Tag später ist dann eine kleine Gruppe aus Deutschland, mit Hund, zu beobachten, wie sie ihre Körper durch den Zaun zwängen und kurz darauf in besagtem Cañon verschwinden. Nur gibt es halt hier weit und breit Niemanden, der das hätte beobachten können. Die Tour durch diesen Cañon hat wieder andere Reize. So erreicht man nach ca. 1 km einen kleinen Slot Canyon, der schon am Anfang mit einem Felsbogen überrascht. Der Slot Canyon selber ist keine 100 Meter lang und es gibt keine anderen Ausgänge. Wir erklimmen außerhalb noch einen anderen Hang und werden von oben mit einem grandiosen Blick auf diese Felslandschaft á la Utah belohnt.

01 wir erkunden noch einen anderen Canyon02 und kommen aus dem Staunen nicht heraus03 Pause im Schatten04 coole location05 eine unglaubliche Landschaft06 es geht weiter nach oben07 hier gibt es jede Menge Chinchillas08 und Familienfoto muss auch sein09 einfach toll10 viele Wandermoeglichkeiten bieten sich11 entlang des Rio Chubut12 und wieder ein anderer Canyon

Nach 5 Tagen und ruhigen Nächten am Piedra Parada setzen wir die Tour durch das Tal entlang des Rio Chubut fort und fahren weitere 170 km Schotterpiste durch eine reizvolle und interessante Landschaft, bis wir wieder die Hauptstraße, die RN 25 erreichen. Wir gönnen uns eine letzte Nacht am Rio Chubut, bevor wir uns auf den Weg machen, um bei Trevelin am Camping Nant y Fall noch ein paar Tage zu relaxen.

01 wir fahren 300 km Schotterpiste02 durch interessante Landschaften03 die Gegend aendert sich immer wieder04 schoene Felslandschaft05 wir fahren durch eine Farbpalette06 wilde Natur07 und dies alles fuer uns ganz allein08 statt Fahrtag ist heute Spieltag angesagt

Kaum stehen wir wieder bei unserem Lieblingscamping, fährt ein zweites Wohnmobil durch den Eingang. Die Nordlichter Andrea und Martin parken ihre Liesel neben uns und wir haben ein paar wirklich lustige und schöne Tage mit den Beiden. Die Eltern des Campingbesitzers Sergio laden uns am nächsten Tag zu sich nach Hause ein. Die aus Italien stammende Mutter Maura serviert uns sieben verschiedene Pizzas, eine besser als die Andere. Wir alle haben einen sehr schönen Abend in dem gemütlichen Haus von Maura und Rodolfo und mit jedem Glas Wein verbessert sich unsere spanische Kommunikation mit Sergio und seiner Familie. Nach vier Tagen verabschieden sich Andrea und Martin in Richtung Norden, während wir noch eine weitere Woche diesen schönen Platz genießen.

01 wieder zurueck auf unserem Lieblingscamping02 gesellige Tage mit Andrea und Martin03 die Mia-Sacarias-Spiele gehen weiter04 Sergios Mutter hat uns eingeladen05 eine Pizza leckerer als die Andere06 die Weinstoecke wachsen 07 Ibisart08 Emanuel hat viel Arbeit im Weinberg09 die ersten Fruechte sind schon da10 jeden Tag wird geschlemmt 11 Felder mit Pfingstrosen12 Sergio holt Blumen

Dann geht es auch für uns in nördlicher Richtung weiter und wir erreichen erst am späten Nachmittag den Parkplatz des Museum Leleque. Da das Museum in 30 Minuten schließt, läßt uns der Museumswärter auf dem Parkplatz übernachten und wir können am nächsten Morgen, nach einer sehr ruhigen Nacht, das Museum vollkommen entspannt besuchen. Die 4 Ausstellungsräume vermitteln einen Einblick in die Geschichte der Mapuche und Tehuelche Indianer, und das für die Zeit vor, während und nach der Eroberung der Europäer. Interessante Information am Rande war, daß die Tehuelche komplett ausgerottet wurden. Der Museumswärter führt das darauf zurück, daß dieser Indianerstamm gut einen Kopf größer war als der Durchschnitt-Konquistador und daher die Angst der Eindringlinge hier wohl größer war als der Verstand.

01 wir besuchen das Museo Leleque02 so wurden die Felle bearbeitet 03 Zelt in traditioneller Weise04 im Inneren des Zeltes05 grosser Tehuelche trifft kleinen Spanier06 Mehl wurde hergestellt07 eine deutsche Marke eroberte die Welt08 das braucht der argentinische Cowboy09 Kraemerladen10 die Geschichte Patagoniens wird gezeigt11 Blick auf Lago Steffen12 am Lago Mascardi

Bariloche liegt in einem Tal der südlichen Anden, ist die Heimat von vielen Deutsch- und Schweizstämmigen Auswanderern und deren Nachkommen. Das kann man noch an einigen Namen, Häusern und Getränken erkennen. Ansonsten ist Bariloche für uns nicht unbedingt ein Ort, an dem man sich all zulange aufhalten muß und durch die vielen Geschichten von aufgebrochenen Fahrzeugen hält sich auch der Drang nach einer längeren Erkundungstour in Grenzen. Unglaublich, wie viele Scherben von eingeschlagenen Autoscheiben am Straßenrand zu entdecken sind. Wir gehen mit Mia zum Tierarzt – die jährlichen Impfungen sind wieder einmal fällig – und holen bei der SENASA die nötigen Mia-Papiere für unseren nächsten Grenzübertritt nach Chile. Dann verlassen wir Bariloche in westlicher Richtung, um den Circuito Chico zu befahren. Eine Straße, die nur ein paar Kilometer außerhalb von Bariloche beginnt und einige schöne Aussichten auf den Lago Nahuel Huapi bietet. Auch eines der besten Hotels Argentiniens ist hier anzutreffen, das Llau Llau. Wir begnügen uns aber mit einem Campingplatz in der kleinen Siedlung Colonia Suiza.

01 in Bariloche02 in der argentinischen Schweiz03 da darf der Bernhardinier nicht fehlen04 Hausbrauerei05 an der Kathedrale06 Lago Nahuel Huapi07 Ausblick am Circuito Chico08 Luxushotel in Bestlage09 Hotel Llau Llau10 Puerto Panuelo11 Capilla San Eduardo12 einer der vielen Seen in dieser Gegend

Das Wetter schlägt wieder um und wir warten auf Besserung auf dem Camping in der von Schweizern gegründeten Siedlung Colonia Suiza. Genügend Zeit also, das kleine Nest genau zu erkunden. Nun, wer spricht den hier noch Schwyzerdütsch? Oder überhaupt Deutsch? Absolut Niemand! Die Siedlung lebt quasi ausschließlich vom Tourismus und ist entsprechend aufgebaut. Unter der Woche ist alles geschlossen und nur wenige Leute sind hier anzutreffen. Am Wochenende sind die Restaurant,- Bar, und Ladenbesitzer aus Bariloche hier, öffnen ihre Betriebe und die Menschenmassen werden abgefüllt mit „echt“ schweizerischem Nahrungsmittelgut. Oder zumindest dem, was der Argentinier darunter versteht.

01 in Colonia Suiza02 die Schweizer brauen sogar Bier03 Expeditionsmobil for sale04 Krempel wird zum Verkauf angeboten05 friedlich geht es hier zu06 am Sonntag ist Markt07 traditionelles Kochverfahren08 Uwes Lieblingsstand09 sollten wir vielleicht fuer die naechsten Tage mitnehmen10 nettes Lokal11 hier wird mit Bamberger Qualitaet gebraut12 ein entspannter Ort

Eine Nacht verbringen wir dann noch in dem Luxus Ort Villa la Angostura bevor wir zur chilenischen Grenze fahren. Die Papiere passen alle und nach einer kurzen Lebensmittelkontrolle sind wir auch schon wieder über den Paso Samore nach Chile eingereist.

01 Zwischenstopp in Villa Angostura02 Schicke Haeuser gibt es hier03 wir sind wieder in Chile04 Vulkan Puyehue im Grenzbereich

 

 

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