Feiertag in Brasilien. Am 2. November wird hier Allerseelen gefeiert und die Läden und Ämter bleiben geschlossen. Das bedeutet für uns, der Grenzübergang in Chuy nach Brasilien ist nur schwach besetzt. Offensichtlich ist das für Reisende aus Uruguay und Brasilien kein Problem, da außer uns alle ohne anzuhalten die Grenze passieren. Wir brauchen aber sowohl den Stempel für unsere Aufenthaltserlaubnis in den Pass, sowie ein Formular für unser Fahrzeug. Die Spezialisten zum Ausstellen des Formulars haben heute jedoch alle frei. Der Zollbeamte, der möglicherweise in der Lage sein könnte, uns dieses Formular auszufüllen, sitzt aber gerade in seinem Auto und hört Musik. Einer seiner Kollegen fragt ihn freundlich nach Unterstützung und er begibt sich ins Büro, um Unterlagen zu suchen. Einige Telefonate und Korrekturen später bekommen wir schließlich nach gut 90 Minuten unsere hoffentlich richtig ausgefüllten Autopapiere. Die Grenzbeamten sind allesamt sehr freundlich aber auch etwas peinlich berührt ob der speziellen Situation am heutigen Tage. Ohne eine Lebensmittel – bzw. „Mia“ - Kontrolle können wir dann endlich die Grenze passieren.

Durch den langen Grenzaufenthalt sind wir spät dran und suchen nach einer Übernachtungsmöglichkeit gleich im ersten Ort nach der Grenze. Hermenegildo ist ein kleines, ruhiges Nest am Meer und wir finden in einer Seitenstraße am Ende des Ortes einen Parkplatz. Der morgendliche Strandspaziergang erweist sich dann als erschreckendes Erlebnis. Der Sturm, den wir vor ein paar Tagen in Uruguay erlebt haben, war „nur“ der Ausläufer eines tropischen Zyklons. Hier ist er aber genau über das Land gefegt und hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Der Strand von Hermenegildo ist quasi weggespült. 85 Häuser in vorderster Front wurden komplett zerstört. Von einigen steht noch eine Mauer, von manchen ist nur noch ein Steinhaufen übriggeblieben. Soviel wir erfahren konnten, sind aber Gott sei Dank keine Menschen dabei zu Schaden gekommen.

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01 Uebernachtungsplatz mit Ueberraschung02 zerstoert vom Zyklon03  zerstoert vom Zyklon04  zerstoert vom Zyklon05  zerstoert vom Zyklon06  zerstoert vom Zyklon07  zerstoert vom Zyklon08 Oel schwimmt im Meer

Weiter geht’s am nächsten Tag durch das Naturreservat Taim, mit seiner reichen Vogelwelt und den unzähligen Wasserschweinen. Kurz nach dem Reservat biegen wir beim Ort Taim zur 174 km langen Lagoa Mirim ab, finden am See auf sehr sandigem Untergrund einen schönen Platz und richten uns für ein paar Tage ein. Unter der Woche stehen wir hier ganz alleine, nur ein paar Rinder lassen sich blicken und ein Gaucho trainiert jeden Tag seine Pferde am Strand. Am Wochenende kommen jedoch zahlreiche Brasilianer mit Zelten und Wohnmobilen hierher. Sogar eine religiöse Truppe ist an den See gekommen, um eine Wassertaufe zu zelebrieren.

01 Wasserschweine im Reservat Taim02 Paradies fuer Ornithologen03 ein Storch wird ueberrascht04 schoener Platz an der Laguna Mirim05 ein Gaucho kommt vorbei06 und treibt seine Rinder07 idyllischer Stellplatz08 warten auf den Sonnenuntergang09 neue Mitglieder werden getauft10 die Beute in Sicherheit bringen11 Abendstimmung am Strand12 der Planet versinkt in der Lagune

Gut ausgeruht fahren wir bis Rio Grande do Sul. Wir brauchen erstmal brasilianisches Geld und dann einen Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen. Nur eine Bank, die Bradesco, akzeptiert unsere Visakarte (gebührenfrei!) und wir ziehen uns genug „Reales“ für die nächsten Tage. Bei Rio Grande do Sul verbindet ein breiter Kanal den See Lagoa dos Patos mit dem Ozean. Wir wollen weiter auf der Landzunge entlang des Sees fahren und benötigen daher die Fähre, die uns über den Kanal nach Sao Jose do Norte bringen soll. Die Rampe auf die Fähre ist für unseren Überhang etwas steil, doch die Jungs hier haben die Sache im Griff und mit ein paar dicken Seilen an der richtigen Stelle untergelegt geht es für unseren Großen ohne Kratzer auf das Schiff. Nach knapp 30 Minuten Überfahrt landen wir auf der anderen Seite und suchen uns einen Platz für die Nacht.

Die BR101 ist eine ziemliche Holperpiste und es dauert eine Weile, bis wir in das gut 270 km entfernte Palmares do Sul kommen. Bei einer Grünanlage im Ort finden wir einen Übernachtungsplatz. Wir stehen noch nicht richtig, da winkt uns ein Einwohner freundlich zu und streckt den Daumen nach oben. Keine 10 Minuten später kommt er wieder zurück, steigt aus seinem Auto und drückt uns mit einem herzlichen „bemvindo em Brasil“ eine Tüte mit sehr leckeren, ofenfrischen Pasteten in die Hand. Am nächsten Morgen dann begrüßt uns Deonir, ein Angestellter der Banco-do-Brasil –Filiale hier am Platz, und bietet uns spontan seine Hilfe beim Besorgen einer SIM-Card für unser Internet-Modem an. Das ist insofern ein Problem, da man in Brasilien für fast alles eine Sozial-Identifikationsnummer, kurz CPF, braucht. Dank der Hilfe Deonirs und seiner CPF bekommen wir in einem Elektroshop die SIM-Karte und Hilfe bei der Installation. Der Inhaber des Elektrogeschäfts fährt eine Stunde später durch die Straßen der Umgebung auf der Suche nach unserem Mobil, nur um uns noch zwei CD´s seiner Band mit folkloristischer, brasilianischer Musik zu schenken. Am Abend treffen wir dann in einer Seitenstraße im Ort Cidreira auf Marli und Gerd. Gerd spricht dank seiner deutschen Vorfahren noch unsere Sprache und lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Wir verbringen einen sehr schönen Abend mit den Beiden und erst nach einem gemeinsamen Abendessen, Frühstück und Mittagessen am nächsten Tag setzen wir unsere Reise fort. Wir sind von der spontanen brasilianischen Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft echt überwältigt.

01 Faehre fahren - immer wieder ein Erlebnis02 es ist nur ein kurzes Stueck03 ausrangiert04 Sao Jose do Norte05 die Hauptverbindungsstrasse  BR 10106 Harzgewinnung entlang der Strecke07 ein gruener Tunnel08 brasilianische Gastfreundschaft bei Gerd und Marli

Auf dem Weg nach Gramado sehen wir bei Rolante ein ziemliches Treiben auf einem Festivalgelände und an der Straße ein Schild, welches auf ein Gaucho-Fest mit Rodeo hinweist. Sofort wird auf die Bremse getreten und Informationen eingeholt. Der Preis mit 35 Real pro Tag erscheint uns noch günstig und wir entscheiden uns, dem dreitägigen Spektakel beizuwohnen. Als uns dann ein Aufseher unseren Platz am Festivalgelände zugewiesen hat, will er zusätzliche 200 Reales, also rund 60 Euro für Camping. Uns gefällt weder der zugewiesene Platz, noch der Preis und wir verlassen das Gelände wieder, um auf der Straße zu parken. Dann sehen wir uns halt nur die Vorausscheidung der Lasso schwingenden Gauchos an und fahren später weiter nach Gramado.

01 Rodeo bei Riolante02030405060708

Klar wären drei Tage Gauchofeeling mit Rodeo, Musik und Churrasco ein Erlebnis gewesen, aber in Gramado erwartet uns überaschenderweise ein Spektakel ganz anderer Art. Es ist Samstag der 12.11.2016 und es wurde gestern nicht etwa der Karneval eingeläutet, sondern der Auftakt zu megamäßig aufgezogenen Weihnachtsfeierlichkeiten. Die Stadt erwartet in den nächsten Wochen bis zu 2 Millionen Besucher und ist dafür extrem aufwendig geschmückt. Unter dem Motto „Natal Luz“ ist die Beleuchtung wahrlich ein Illuminations-Event und eine Veranstaltung jagt die andere. Wir stehen jedenfalls um 20.30 Uhr in der Haupteinkaufsstraße an der Außenfassade des „Palácio dos Festivais“ und sehen die Open-Air-Aufführung einer sehr netten Weihnachtsgeschichte. Anschließend beschallen Weihnachtslieder die festlich geschmückten Straßen und… surprise surprise, auf Knopfdruck fängt es an zu schneien. Schnee? In Brasiliens Sommer? Ok – Schnee aus Schaumflocken! Aber was solls, den Brasilianern gefällts. Schließlich startet um 22 Uhr noch in der Arena am See, direkt neben unserem Schlafplatz, eine Weihnachtsshow namens „eu sou Maria“ mit Wasserfontänen, Lasershow, Feuerwerk, Theater und Gesang. Als Zaungäste erleben wir dieses Spektakel mit, nur Mia ist halt weniger begeistert ob der Feuerwerksböller. Für heute sind wir jedenfalls schon mal im Weihnachtsrausch gewesen – oh du fröhliche!

01 Gramado im Weihnachtsfieber02 Gramado im Weihnachtsfieber03 das kennen wir im Original04 auch der Weihnachtsmann ist hier05 eine Weihnachtsgeschichte wird aufgefuehrt06 drei Weihnachtswichtel07 auf Knopdruck schneit es auch noch08 hier kommt Weihnachtsstimmung auf09 noch ein grosses Spektakel im Ort10 die heiligen 3 Koenige kommen11 Gramado im Weihnachtsfieber12 Willkommen in Brasiliens Weihnachtsstadt

Für ein paar Tage geht es wieder zur Küste und wir suchen nach einem schönen Platz in Strandnähe. Novo Capoa ist ein ziemlich neu gegründetes Stadtviertel von Capoa und offensichtlich für die betuchtere Gesellschaft geplant. Wir finden jedenfalls neben äußerst exklusiven Häusern, die scheinbar nur als Wochenend- oder Urlaubsresidenz genutzt werden, einen netten Platz am Straßenrand. Es gibt sogar öffentliche Duschen, die unsereins samt Hund schon mal gerne benutzt. Tja, und dann sind wir ausnahmsweise mal unachtsam. Starker Wind kommt auf, wir schließen nicht umgehend unsere Dachfenster und zack, fliegt schon eines unserer Dach-Heki´s durch die edle Wohngegend. Na bravo, wo kriegen wir jetzt nur so ein Fenster her? Wir können das kaputte Teil notdürftig reparieren, so daß es wenigstens nicht hereinregnet, und setzen die Fahrt fort in Richtung Berge. Es geht landeinwärts nach Canela, um uns dort die Wasserfälle „Cascadas do Caracol“ anzusehen. Dann machen wir uns auf nach Novo Hamburgo. Dort soll morgen eine Wohnmobilmesse beginnen, die wir uns gerne näher ansehen wollen.

01 heute gibts Kontrastprogramm02 Mia fetzt durchs Meer03 das Salzwasser muss runter04 es geht wieder in die Berge05 Cascadas do Caracol06 der Wasserfall ist 130 m hoch07 der Wasserfall ist 130 m hoch08 Kirche ala Disney

Die Messe findet zum ersten Mal hier in Novo Hamburgo statt und ist in überschaubarer Größe. Die eine Ausstellungshalle ist noch nicht einmal richtig voll geworden und die Stände der Zubehörlieferanten sind am Vorabend noch komplett leer. Ich frag den Chef der Messe, ob denn wirklich morgen früh der Auftakt der Messe geplant ist, und er macht mir lachend klar „ey Amigo, wir sind hier nicht in Alemao“. Und tatsächlich, am nächsten Morgen wird die Messe feierlich eröffnet und…. die Stände der Zubehörfirmen sind allesamt voll und fertig. Zu unserer freudigen Überraschung gibt es sogar einen kleinen Stand der Firma Dometic, dem Hersteller unserer Fenster. Auf die Nachfrage, ob denn unser Dach-Heki zufällig im Angebot sei, erklärt mir der Dometic-Vertreter im besten Englisch, daß die Fenster in Brasilien angeboten werden. Eine Wohnmobilfirma hier in Novo Hamburgo verkauft diese Teile auch und hat sicher welche vorrätig, da er selbst erst vor einer Woche eine größere Lieferung derselben dort abgegeben hat. Kann man mehr Glück haben??? Die Wohnmobilfirma namens Itapao ist natürlich auch auf der Messe vertreten und der Besitzer spricht, wie so viele deutschstämmige Besucher der Messe, mit mir deutsch. Er nimmt mich gleich mit zu seiner nahegelegenen Fertigungshalle, zeigt mir seine Fahrzeuge und erklärt mir die Produktpallette. Schließlich zieht er aus einem Lager das von mir gewünschte Fenster heraus. Ich bin echt happy und kauf gleich noch ein Zweites. Am Abend sind beide Fenster eingebaut und wir sind uns bewußt, mal wieder riesiges Glück gehabt zu haben, denn in ganz Südamerika dürfte es nicht viele Möglichkeiten geben, genau unsere Fenster kaufen zu können. Auf der Messe treffen wir außerdem noch Ederson aus Gramado, den Besitzer der Wohnmobilfirma Santo Inacio Motorhomes, der uns schon 2014 auf der Straße angesprochen und uns zu seiner Fabrik eingeladen hatte. Ich bin übrigens von der Top-Qualität der hier gebauten Wohnmobile schwer beeindruckt.

01 Wohnmobilmesse in Novo Hamburgo02 grosser Campingplatz03 Parkplatzcamping bei der Messe04 interessierte Besucher05 auch die Brasis koennen Womos bauen06 Ederson von Santo Ignacio ist zufrieden07  Fernseher-Waschmaschine-Aussenkueche08  ueberschaubare Messe

Noch bevor die Messe am Sonntagabend zu Ende geht, flüchten wir. Über 35 Grad Celsius, kein Wind und der heiße Asphalt des Parkplatzes machen es für uns ohne Klimaanlage fast unerträglich. Wir packen schnell zusammen und verabschieden uns. Es geht in höhere Lagen bis nach Bento Goncalves. Die Stadt selbst ist jetzt nicht gerade recht sehenswert, die alte Dampflok, die täglich mit Getöse und aufwendiger Beleuchtung durch die Umgebung tourt, zieht aber scheinbar jede Menge Touristen an. Wir begnügen uns mit einer Übernachtung neben dem alten Bahnhofsgelände und staunen, wieviele Leute hier schon morgens mit Bussen angekarrt werden, um in den historischen Waggons durch die Region von Bento Goncalves gefahren zu werden.

01 Dampflokomotive in Bento Goncalves02 wir laufen durch Bento03 die Stadt ist nicht sehr aufregend04 venezianischer Loewe an der Kirche05 zurueck vom Ausflug06 Dampflokomotive Maria Fumaca07 Dampflokomotive Maria Fumaca08 Bahnstation Bento Goncalves

Interessanter ist da schon das Umfeld von Bento Goncalves, das einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Wir beginnen mit dem Vale dos Vinhedos und fahren gemütlich über die Via Trento und die Estrada do Vinho durch das „Tal der Weinberge“, und wie der Name schon sagt geht es vorbei an großen Weinbergen, den dazugehörigen Fazendas und Restaurants. Italienische Einwanderer haben sich hier niedergelassen und die Gegend als optimale Region für den Anbau von Weinreben erkannt. Alles ist sehr gepflegt und geschmackvoll angelegt und die Tour durch das Tal erinnert tatsächlich ein wenig an Italien. Wir bremsen auch an der ein oder anderen Verkaufsstelle, da wir aber noch genügend argentinischen Wein haben, halten wir uns eher an Käse und Salami, ebenfalls italienischer Qualität. Danach geht es wieder vorbei an Bento Goncalves und ins Tal „Vale do Rio das Antas“, wo wir uns das riesige Weingut Vinhos Salton etwas genauer ansehen. Schließlich fahren wir noch entlang des „Caminhos de Pedra“, einer 12 km langen, idyllischen Strecke vorbei an zahlreichen traditionellen Steinhäusern aus der Zeit der ersten italienischen Einwanderer. Wir genießen die Tour und folgen dabei einem Plan, der uns an der Strecke die alten Bauten, nummeriert und skizziert, leicht erkennen läßt... und dann ist es schon spät und wir schauen uns lieber noch um nach einem schönen Übernachtungsplatz.

01 Weinregion bei Bento Goncalves02 romantische Momente03 viele Weinlokale findet man hier04 im Vale dos Vinhedos05 Weinproben und vieles mehr im Angebot0607 liebevoll gestaltet08 man zeigt was man hat09 Weinstoecke10 alles ist super renoviert11 Entlang des Caminhos de Pedra12 eine lohnenswerte Tour

Den finden wir dann im 90 km entfernten Flores da Cunha auf dem Camping da Vindima. Der Platz ist montags und dienstags eigentlich geschlossen, für uns öffnet aber der Cheffe persönlich das Tor und wir haben für 5 Tage den Platz mit ein paar Pferden und Hunden fast für uns allein. Zeit genug für ein paar kleinere Arbeiten am Wohnmobil und um Mia das dicke Fell den nun doch deutlich wärmeren Temperaturen anzupassen.

01 ein Platz zum entspannen02 wir machen es uns gemuetlich03 neuer Sommerschnitt fuer Mia04 Abwechslung

 

 

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