Nach 3,5 Jahren in Südamerika geht es endlich mal nach Paraguay. Wir sind schon gespannt, was uns dort erwartet, denn viele unterschiedliche Meinungen anderer Reisender haben wir bisher erhalten. Bei Ciudad del Este fahren wir über die Grenze und es geht schon mal äußerst positiv los. Claudia erledigt nämlich sämtliche Grenzformalitäten ohne mich – auch mein Paß wird abgestempelt – und kommt nach knapp 30 Minuten von den diversen Grenzposten zurück. Dann geh ich im Einkaufsparadies Ciudad del Este auf die Jagd nach diversen Elektronikas. Ein neues Autoradio, eine Festplatte und ein Doppel-Cerankochfeld ergattere ich ziemlich günstig in einem Mega-Elektronikladen. Dann noch eine Sim-Karte von Claro fürs Internet besorgt, Guarani – die paraguayische Währung – vom Automaten gezogen, und schon ist der halbe Tag gelaufen. Wir entscheiden uns, bei der Posada Monday zu übernachten. Der schöne Stellplatz auf einer großen Wiese liegt nur ein paar hundert Meter von den Wasserfällen „Salto Monday“ entfernt. Diese 45 Meter hohen Wasserfälle haben scheinbar das Pech, zu nahe an denen von Iguazu zu liegen und werden offensichtlich nur wenig besucht. So sind wir ziemlich allein in diesem schön angelegten Park unterwegs, aber die Fälle sind deutlich imposanter, als wir sie erwartet haben.

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01 Paraguay - ein neues Land erwartet uns02 Shoppingparadies in Cuidad del Este03 wir lassen es gemuetlich angehen04 Mia testet gleich mal die neuen Spielkumpels05 am Salto Monday060708

Bei unserer Weiterfahrt entdecke ich so einen kleinen Hi-Fi-Spezialisten-Shop am Straßenrand. Die Buchse unseres neuen Radios passt nicht mit dem Stecker zusammen und ich denk mir „laß mal die Profis den neuen Radio einbauen“. Eine gute Entscheidung, denn in weniger als 30 Minuten haben die Jungs das Teil verbaut und wir können weiterdüsen. Sie haben übrigens für uns ihre aktuelle Tätigkeit unterbrochen, die darin bestand, jede Menge Lautsprecher in verschiedenen Größen samt zusätzlichen 8(!) Autobatterien in einen Pickup zu verbauen. „Angebliches“ Gesamtgewicht der Hi-Fi-Anlage „knapp 1 Tonne“. Unmöglich? Na ja, ich kann es auch nicht ganz glauben…. aber die Anzahl der ziemlich schweren Boxen und Halterungen plus diverser Gerätschaften ist schon unglaublich. Ich stelle mich dann noch hinter ein schon fertiges Fahrzeug und der Cheffe dreht den Sound mal auf 50% - mir wird schlecht und es bleibt die Hoffnung, daß der Besitzer einer solchen Höllenmaschine niemals neben uns parken wird.

01 vielleicht doch noch Boxen fuer unser neues Autoradio02 leider duerfen wir nicht hinein - Hundeverbot03 im kleinen Guaranimuseum04 wir finden doch noch einen netten Platz05 viele Verkaufsstaende unterwegs0607 alle verkaufen das Gleiche08 Kunst aus Autoreifen

Auch in Paraguay gibt es zahlreiche deutsche Siedlungen. Hohenau ist eine davon. Im Parque Manantial begrüßt uns der Chef Ruben, ein deutschstämmiger Paraguayer, in fehlerfreiem Deutsch und zeigt uns die Anlage. Schon eine Stunde später sitzen wir samt Mia in seinem Mercedes-LKW Baujahr 64 und erkunden sein riesiges Grundstück. Uns gefällt es im Parque Manantial und wir richten uns gleichmal für längere Zeit ein. Ein zutrauliches Tapirpärchen lebt schon lange im Parque und das Weibchen ist gerade hochträchtig. Jeden Abend kommen die Beiden in die Nähe des Zauns und wir nutzen die Gelegenheit, unsere Karotten los zu werden. Ruben macht uns mit einem Polsterer bekannt, der sich unsere Sitze etwas näher betrachtet. Durch die langjährige Dauernutzung sind die Sitzflächen ziemlich runtergesessen und wir lassen uns von ihm ein Angebot machen. Der Preis ist sehr verlockend und wir verabreden, ihm nächste Woche unsere alten Polster zu bringen, denn vorher geht es nach Encarnacion auf den „Karneval“!!!

01 LKW-Tour im Parque Manantial02 Mia ist mit von der Partie03 es geht in den Fluss0405 eine Flussfahrt die ist lustig06 es geht aber auch anders07 riesiges Areal zum Campieren08 Mia kann sich hier richtig austoben09 knapp 200 Rinder gibt es hier10 zahme Tapire im Parque Manantial11 wir beschnuppern uns erst einmal12 Kuesschen

In Encarnacion parken wir unseren Großen direkt an der Costanera, einer schön angelegten, 5 km langen Strandpromenade am Ufer des Rio Paraná und erkunden erstmal die Gegend zu Fuß. Viele Einheimische flanieren entlang des Flusses und gerade jetzt in der Ferienzeit ist jede Menge los. Am Abend jedoch leeren sich die Besucherparkplätze komplett – somit sind sie „im Prinzip“ schöne, ruhige Übernachtungsmöglichkeiten für Traveller wie unsereins. Aber halt nur im Prinzip. Denn da war er wieder, der Latino, der Musikbegeisterte, der kurz vor Mitternacht kommt und dem es halt nun mal nur gefällt, wenn er sein Auto direkt neben einem anderen Fahrzeug parken kann, Heckklappe auf, die riesigen Großraumboxen zum Vorschein gebracht und ab geht die Post. Gott sei Dank haben die nicht so eine Anlage, wie wir sie bei dem Hi-Fi-Spezialisten kennenlernen durften, aber nun sind wir wieder wach, schauen aus dem Fenster, nach links, nach rechts, kilometerlang nix….. nur halt direkt neben uns. Na was soll´s, wird schon nicht so lang dauern, die müssen ja morgen in die Arbeit, ne? Nach einigen Bierchen, etlichen Joints und stundenlangem Anschreien (Sie standen direkt hinter ihrem geöffneten Kofferraum) fahren die Drei wohl mit Ohren- und Halsschmerzen so gegen 4 Uhr früh dann endlich ab. So kommen wir doch noch zu gut 4 Stunden Schlaf. Hätten wir doch gleich auf Ruben´s Empfehlung gehört und wären zum Hotel „Maitei“ gefahren, welches nur 400 m von der Costanera und dem Sambadrom entfernt liegt. Heute sind wir gescheiter und fahren nach dem Frühstück zum Hotel und sind echt überrascht. Der „Parkplatz“ vom „Maitei“ ist ein geschützter Hof auf Wiese mit tollem Badezimmer und Aufenthaltsbereich extra für Wohnmobilisten. Für uns ein optimaler Ausgangspunkt um das geplante Karnevalsspektakel besuchen zu können.

01 Costanera in Encarnacion02 Abendstimmung in Encarnacion03 Skyline von Posada in Argentinien04 und das Ganze bei Nacht

Er soll nach Rio de Janeiro der schönste Karneval sein, wurde uns erzählt. Klar! In Paraguay – in einem relativ kleinen Städtchen wie Encarnacion. Egal, wir haben Zeit und einen Samba-Karneval hatten wir ja bisher noch nie erlebt. Um 21 Uhr soll es losgehen, die Tribünen füllen sich langsam und wir sehen am Ende des Sambadroms die ersten Teilnehmer der Parade auftauchen. Unser Besucherblock erweist sich als Glücksgriff. Die Bewertungsrichter sitzen uns genau gegenüber und die Tänzernnen und Tänzer stoppen hier, um vor der Jury ihre einstudierten Auftritte vorzuführen. Die Sambarhythmen halten die Stimmung den ganzen Abend auf Volldampf. Wir sind echt begeistert von den toll geschmückten Wagen der Sambaschulen und den vielen Tänzerinnen in ihren teils aufwendigen, teils äußerst knappen Kostümen. Volle 6 Stunden dauert dieses grandiose Spektakel. Keine Chance, hier müde zu werden, viel zu mitreißend ist die Musik und die gute Stimmung der Sambatänzer sowie der Zuschauer. Karneval in Encarnacion – ein absolut sehenswertes Event!
die Bilder sprechen für sich …

01 Karneval in Encarnacion0203040506070809 Miss Paraguay ist auch dabei101112131415 Spruehschaum gehoert leider auch zum Karneval1617181920212223 und noch viele mehr24 tolle Stimmung bis zu letzt

Es geht wieder zurück in Richtung Hohenau. Bei Trinidad biegen wir ab und besuchen die Ruinen der Jesuitensiedlung „La Santisima Trinidad de Paraná“, eine von zahlreichen Missionarsstationen der Jesuiten im Gebiet von Brasilien, Argentinien und Paraguay. Trinidad ist die Größte aller Jesuitenanlagen. Sie wurde im Jahre 1706 gegründet und gehört seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe. Viele tausend Guarani-Indios folgten den Missionaren, lebten hier und konnten Ackerbaumethoden, Baukunst, Handwerk sowie Viehzucht erlernen. Nur 60 Jahre später wurden die Jesuiten aber von den Spaniern vertrieben und die gut ausgebildeten Indios gaben wertvolle Sklaven ab.

01 Jesuitenreduktion Trinidad02 einiges ist noch gut erhalten03 einiges ist noch gut erhalten04 Claudia kommt aus der Krypta0506 auch Mia macht heute auf Kultur07 Ruinen der Jesuiten-Kirche08

Wir bleiben gleich vor Ort, denn am Wochenende kann man nach Einbruch der Dunkelheit an einer kleinen, schon im Eintrittspreis von knapp 5 EUR p.P. enthaltenen Führung im speziell beleuchteten Areal der Jesuitenruinen teilnehmen. Es finden sich mit uns rund 20 Besucher ein, die das besondere Flair so einer nächtlichen Tour durch die alten Ruinen und die mystische Stimmung erleben wollen. Für das meiste der in Spanisch gehaltenen Führung reichen unsere Spanischkenntnisse nicht aus. Besser klappt das dafür bei der Dia-Show im Altar der Kirchenruine, bei der über die Geschichte der Missionen berichtet wird. Musikalische Klänge begleiten uns auf der Nachttour und lassen noch eine sehr spezielle Atmosphäre an diesem Ort aufkommen. Nach gut einer Stunde ist die Führung beendet und wir übernachten direkt am Parkplatz der Mission.

01 die Nachttour lassen wir uns nicht entgehen02 mystische Stimmung in der Anlage03 eine Diashow erzaehlt die Geschichte0405 der Vollmond macht es noch perfekt060708

Wieder in Hohenau statten wir dem Polsterer einen Besuch ab und bringen ihm alle Teile unserer Sitzgruppe. „In 3 Tagen sind die Polster fertig“ – wunderbar, das Wetter ist gut und wir können draußen sitzen. Daß man Zeitvorgaben und Termine in Lateinamerika nicht so genau nimmt, ist uns aber klar und wir gehen nicht wirklich davon aus, daß wir in 3 oder 4 Tagen auf unseren neuen Polstern sitzen. So genießen wir einfach die schöne Anlage des Parque Manantial, die gute Küche von Carla sowie die Gastfreundschaft von Ruben und seiner Familie. Zwischenzeitlich besuchen uns sogar Lutgard und Kaco, die Besitzer des Hotels Maitei in Encarnacion. Sie waren nicht vor Ort, als wir wegen des Karnevals in ihrem Hotel standen, wollten uns aber noch kennenlernen, da sie selbst mit ihrem Wohnmobil herumreisen. Nach einem schönen Abend laden uns die Beiden ein, wenn wir den Parque Manantial verlassen, bei ihrem Grundstück in Hohenau vorbeizukommen und den Grill anzufeuern. Mit „etwas“ zeitlicher Verzögerung erhalten wir schließlich unsere neu aufgepolsterten und mit Leder überzogenen Sitze zurück. Das Warten hat sich gelohnt!!! Das ganze Mobil riecht durch das Leder wie neu und wir können uns endlich wieder so richtig bequem auf die Sitzbänke schmeißen. Hurra! Wir freuen uns total.

01 da sind wir wieder02 stuermische Begruessung03 riesige Seerosenblaetter04  wir staunen ueber die tolle Bluete05 bunte Schmetterlinge06 eigene Wasserversorgung07 riesige Spinne08 gefaehrliche Raupe09 wir machen Grossputz10 der riesige Pool wird taeglich genutzt11 unser alten Polster12 Jetzt fehlen nur noch neue Vorhaenge

Wir verabschieden uns nach einer sehr schönen Zeit von Ruben und seiner Familie, freuen uns aber schon auf den Grillabend bei Lutgard und Kaco. Deren Zuhause überrascht uns total. Sie haben sich ein kleines, aber außergewöhnlich schönes Häuschen in eine traumhafte Landschaft gebaut. Vor einem Bach den Pool, daneben einen großen Weiher in eine gepflegte Rasenlandschaft integriert, alles extrem geschmackvoll gestaltet. Wir sind jedenfalls begeistert. Auch unser Großer findet scheinbar gefallen an der Umgebung…. als Ich ihn am Abend umparken will, läßt er sich nicht mehr starten. Die Batterie hat sich verabschiedet. Kurzerhand nimmt sich Lutgard den nächsten Tag frei und unternimmt mit uns am Morgen in ihrem Jeep eine Tour zu der indigenen Gemeinschaft der Guaviramí . In dem Dorf leben noch an die 150 Einwohner. Sie werden zum Teil vom Staat unterstützt, zum Teil bringen Touristen ein wenig Geld in die Kasse. Ein Guide führt uns durch das Dorf. Eine von Lutgard organisierte Tourismusbeauftragte aus der Region übersetzt aus der Sprache „Guarani“ ins Spanisch, Lutgard schließlich ins Deutsch. So erfahren wir einige interessante Details über das aktuelle wie das frühere Leben der Gemeinde. Zum Beispiel mit welchen Fallen sie Tiere gefangen haben und welche Wurzel oder Pflanze sie zur Heilung diverser Krankheiten verwendet haben. Schließlich führt der Guide uns noch zu einem Ort etwas oberhalb des Dorfes, den er selbst vor Jahren entdeckt hat. Ein Steinbruch, von dem sich offensichtlich die Jesuiten zum Bau ihrer Missionen das Material geholt haben. In einigen Steinen sind noch eingemeißelte Figuren zu erkennen. Am Nachmittag sind wir wieder auf dem Grundstück unserer Gastgeber. Ich fahre mit ihrem Angestellten Oscar zum riesigen Baumarkt bei Obligado und schon ist das Batterieproblem behoben.

01 wir fahren zu einer Komune der Indigenas02 Comunidad Guavirami03 wir besuchen das kleine Dorf04 freundlich und offen werden wir empfangen05 auch wir werden begutachet06 es gibt auch neuere Huetten07 Fallen werden uns erklaert08 wir kommen an einen geheimnisvollen Ort09 bearbeitete Steine liegen im Dschungel10 Spuren von vergangenen Zeiten11 es gibt noch mehr Tierfallen12 Baumnamen in Guaranisprache13 heute ist Waschtag14 wir druecken nochmal die Schulbank15 Musikunterricht steht auf dem Programm16 danke Lutgard fuer den tollen Ausflug

 

 

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