Argentinien XIX

 

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Reisefreunde haben uns die Adresse von Walter empfohlen. Walter ist Argentinier deutscher Abstammung und wohnt im Ort La Falda, ca. 70 km nördlich der Stadt Cordoba. Er ist zum einen Führer von Touren durch die Andenregion, die er mit seinem Landcruiser durchführt. Zum anderen hat er auf seinem Grundstück ein paar Stellplätze für Overlander angelegt, die sich mal ein paar Tage erholen wollen. Bevor wir die Region der „Sierras de Cordoba“ näher erkunden, legen wir bei Walter einen Stopp ein und sind prompt zum Asado eingeladen. Walter ist natürlich Spezialist im Zubereiten leckerer, argentinischer Grillspezialitäten und wir verbringen dort einen schönen Nachmittag. Beiläufig erwähnen wir, daß uns die Idee durch den Kopf schwirrt, mal für ein paar Monate ein Haus zu mieten. Spontan bietet Walter uns an, sein Haus während der Wintermonate zu mieten, da er auf Grund diverser beruflicher Aktivitäten sowieso längere Zeit in anderen Regionen Argentiniens beschäftigt sein wird. Wir nehmen sein Angebot an, fahren aber noch für die nächsten drei Wochen auf Erkundungstour durch die nähere Umgebung.

01 Walter bereitet argentinisches Assado 02 das schmeckt03 ein netter Nachmittag04 wir stehen oben am Berg

Erster Punkt auf dieser Tour ist Capilla del Monte, einem Ort, der nicht zuletzt wegen angeblicher Ufo-Sichtungen einen mystischen Ruf erlangt hat. Die Gegend, bzw. der ganze Berg, soll eine ganz spezielle „Energie“ ausstrahlen und diese auf den Menschen übertragen. Das hat dafür gesorgt, daß sich zahlreiche Künstler und Esoteriker hier niedergelassen haben. Ich kann zumindest bestätigen, daß der Bäckerkünstler einen hervorragenden Käsekuchen im Angebot hat, währende der Frisör-Künstlermeister wahrscheinlich kurz vor meinem Haarschneidetermin eine mystische Erscheinung hatte und von einem Mix aus Alkohol, Drogen und Kräutergemischen beeinflusst gewesen sein muß, als er sich dem Kürzen meiner Haare angenommen hatte. Das Resultat war derart unglaublich, daß Bilder der „außerirdischen Frisur“ danach auf mystische Art und Weise von der Foto-Festplatte verschwunden sind. Schließlich gibt es aber auch noch einen schönen Stausee am Ort, an dem man herrlich ruhig stehen kann und der uns gleich mehrere Tage als „Energie-Ladestation“ zur Verfügung steht.

01 die Ausserirdischen von Capilla02 ein netter Kuenstlerort030405 guter und ruhiger Platz fuer die Nacht06 wir spazieren um den See 0708

Bei der Weiterfahrt nach La Cumbre treten wir im Ort Los Cocos auf die Bremse, zu neugierig macht uns die Einfahrt des „Parque El Descanso“. Orientalisch angehauchte Gebäude, Statuen, Burg-ähnliche Backsteinbauten im Hintergrund, das muß man sich doch mal näher ansehen. Im Inneren des Parks erkennt man dann schnell die italienische Prägung beim Betrachten der Gebäude mit den Säulen und der Vielzahl an römischen Statuen sowie der prächtigen Gartenanlage. Alles in allem ein unterhaltsamer Besuch des Parks El Descanso. Und nachdem ich Claudia endlich aus dem Labyrinth befreit habe, können wir die Fahrt nach La Cumbre dann auch fortsetzen.

01 wir besuchen den Parque El Descanso02 die Italiener haben diesen Ort gepraegt0304 Ausstellung im Museum 050607 Labyrinth08 Claudia findet den Ausgang nicht

Kaum fahren wir auf einer der oberen Zufahrtsstraßen von La Cumbre in den Ort, zack, geht’s schon wieder auf die Bremse. Diesmal stoppt uns ein Schild „Museo Motos & Bicicletas“. Auch diesmal lohnt der Halt, vor allem natürlich wenn man sich wie unsereins für alte Motorräder und Autos sowie dem dazugehörigen antiken Zubehörteilen begeistern kann. Das Ambiente in dem Gebäude ist extrem gelungen, die zahlreichen Antiquitäten mit über 40 Motorrädern, 30 Fahrrädern und zwei Autos, sind geschmackvoll platziert. Nach einem Kaffee im dazugehörigen Lokal geht’s dann in den Ortskern von La Cumbre, am Busbahnhof gibt’s den perfekten Stellplatz.

01 kleines interessantes Museum in Cruz Grande02030405060708

La Cumbre ist ein netter Ort, in dem man es gut ein paar Tage aushalten kann. Wir machen vom Parkplatz ausgehend jeden Tag eine Wanderung aus dem Ort hinaus in die hügelige Umgebung und finden bei der Rückkehr immer eine geeignete Location zur Einkehr. Gute Restaurants, Cafe´s und Eisdielen tragen zu guter Stimmung bei.

01 in La Cumbre02 hier gefaellt es uns0304 wir wollen etwas wandern0506 Mia ist immer die Erste07 ein seltsamer Wanderweg08 und hier geht es nicht mehr weiter

Eine dieser Wanderungen geht hinauf zum Stausee Dique San Jeronimo. Dort ist leider alles geschlossen und es geht ohne Einkehrschwung über Feld und Berg zur großen Christo-Statue von La Cumbre und dann wieder hinunter in den Ort. Eine ziemlich langer Wanderweg, der mangels Beschilderung nicht leicht zu erkunden ist. Aber zum Glück gibt’s ja Telefonservice, Google maps und Satellitenansicht, und so geht’s schließlich platt, aber zufrieden gleich bei Ankunft im Ort zum Steakessen ins Restaurant Geronimo.

01 das Restaurant ist leider geschlossen02 Dique San Jeronimo03040506 abgelegenes Weingut07 sind wir noch auf dem richtigen Weg08 endlich das Ziel vor Augen09101112

Die drei Wochen sind vorbei und wir erscheinen wie verabredet bei Walter. Er macht das Haus noch zur Übergabe bereit und wir ziehen am nächsten Tag ein. Die Eingewöhnungszeit vom kleinen Wohnraum im Wohnmobil zum großen Haus geht schneller als gedacht. Das Haus liegt schön im oberen Bereich des Ortes und wir haben einen tollen Blick über La Falda. Es bietet uns zusätzlich einen Grillplatz im Garten, eine Waschküche mit Waschmaschine, ein Billardzimmer und einen Pool, den wir aber wohl während unserer Zeit hier nicht beanspruchen werden. Der uns vermietete Bereich im Haus ist groß und hat alles, was man in den kalten Wintermonaten so benötigt. Dieselbetriebene Zentralheizung, zusätzlicher Kaminofen im Wohnzimmer und für das Warmwasser sorgt ein großer Boiler, der mit Gas betrieben wird. Diesel wird eingekauft und Walter läßt noch ein paar hundert Kilo an Brennholz für den Kamin anliefern. Die Gasflaschen werden alle 2 Wochen ausgetauscht und somit steht für den Winter alles bereit, um es uns gemütlich zu machen. Sparky, Walters Hündin, hat anfangs ein Problem mit Mia und attackiert sie ununterbrochen, so daß schon eine vorzeitige Abreise im Raum steht. Walter hat die Idee, mittels eines Maulkorbes Sparky zurückzuhalten und der erzieherische Effekt dieses Teils ist echt beeindruckend. Attackiert Sparky unsere Mia, bekommt sie den Maulkorb um, nach einiger Zeit nehmen wir ihn wieder ab. 3 Tage ziehen wir diese Maßnahme durch und Sparky ist Mias beste Freundin. Sie spielen täglich miteinander, als wären sie schon ewig gemeinsam auf dem Grundstück. Die Basis für eine gemütliche Winterzeit ist somit für uns alle gegeben.

01 wir mieten uns ein Haus fuer den Winter0203 Jetzt kann Sparky Mia nicht mehr attackieren04 unser Haus ist direkt am Wandergebiet05 wir erkunden die Gegend0607 viel Platz und einen Kamin haben wir08 Brotfladen aus dem Kamin09 gemeinsam und problemlos zu dritt unterwegs10 Fruehstueck am Pool11 Uwe ist jetzt der Grillmeister12 und alle bekommen was zu essen13 Claudia stellt eine Naturcreme her14 Abendstimmung15 der Winter kann kommen16 Marita und Jan besuchen uns

Die Nachbarschaft in diesem Teil von La Falda ist sehr interessant. Wir wohnen hier so ziemlich am höchsten Punkt der Stadt und sind direkt mit den Wanderwegen verbunden, die über den Berg und an anderen Bereichen von La Falda wieder in den Ort gehen. Bei den Häusern der Umgebung handelt es sich zum Teil um prunkvolle, alte Villen. Die Mehrzahl der Gebäude sind wohl zwischen 1900 und 1950 entstanden und wurden von deutschen Auswanderern dieser Zeit nach europäischem Vorbild gebaut. Das es sich bei diesen Auswanderern um gut betuchte Menschen gehandelt haben dürfte, wird einem schnell klar, wenn man sich die Anwesen etwas näher betrachtet. Großzügige Grundstücke, schön angelegte Gärten, die Häuser mit dicken Mauern, Eingänge mit Säulen und Balkonen. Nur ein paar Hundert Meter entfernt ist das bekannteste Haus der Stadt, das Hotel Eden, zur damaligen Zeit ein weltweit bekanntes Hotel. Die ersten Tage geht es für uns täglich auf Entdeckungstour, wobei die Tour hinauf zum Cerro La Banderita uns auch bei diesen kalten Temperaturen einige Schweißtropfen kostet.

01 unsere Nachbarschaft0203 wir sind viel unterwegs040506 steil und rutschig ist der Aufstieg 0708 wenigstens ein schoener Ausblick

Die ersten Wochen in La Falda sind bei 10 bis 20 Grad Celsius noch sehr angenehm. Claudia besorgt sich aber schon mal genügend Wolle, um uns auf die bevorstehenden, uns nicht mehr so bekannten, winterlichen Temperaturen vorzubereiten. Kaum sind Schal und Hausschuhe fertig gestrickt, kommt doch tatsächlich der erste Schnee. Nicht daß ich mich darüber freuen könnte, aber zur Abwechslung ist das mal hier in Südamerika eine ganz interessante Erfahrung. Vor allem für Mia, die Schnee zum ersten Mal in dieser Form erlebt und sichtlich Spaß daran hat! Die Wanderungen werden für uns deutlich unangenehmer, glatt und rutschig. Dafür ist dann die Aufwärmphase im Haus vor dem Kaminfeuer umso schöner und gemütlicher!

01 Selbstgestricktes fuer den Winter02 ueber Nacht hat es geschneit0304 heute ein Spaziergang im Schnee0506 Mias erster Schnee07080910 Mia und Sparky toben durch den Garten11 und wir geniessen den Kamin12

Unsere Aufenthaltserlaubnis verlängert sich während der Pandemie und den geschlossenen Grenzen Argentiniens regelmäßig automatisch. Problematischer ist es aber, eine Verlängerung für das Wohnmobil zu bekommen. Claudia kontaktiert die Zollstelle in Cordoba und der zuständige Beamte macht uns klar, daß wir persönlich bei ihm im Büro zu erscheinen haben, um eine Verlängerung der Autopapiere zu bekommen. So machen wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Cordoba. Ich nutze die Gelegenheit für einen Besuch bei Mercedes Benz, um das Fahrzeug an die Computerdiagnose hängen zu lassen, da irgendwie das Automatikgetriebe beim Schalten nicht mehr so rund läuft, wie gewohnt. Während Claudia die Papiere relativ schnell beim Zoll verlängert bekommt und danach das Stadtzentrum besichtigt, suchen die Mercedes Techniker nach dem Problem. Das Diagnosegerät zeigt an, daß das Getriebe irgendwann im Lauf der letzten Monate einen Fehler gemeldet hat. Dieser wird gleich per Computer gelöscht und eine Probefahrt durchgeführt, um dem Problem näher zu kommen. Das ist aber nicht mehr möglich, denn das Problem tritt, scheinbar durch das Löschen des Fehlers, nicht mehr auf. Einerseits gut, anderseits aber nicht gerade beruhigend. Die Serviceleute können aber leider nichts mehr finden und wir ziehen wieder von dannen, nachdem Claudia von ihrem Stadtbummel durch Cordoba zurückgekehrt ist.

01 Kurzer Ausflug nach Cordoba020304050607 ueber ein Hochplateau geht es nach Hause08

Zurück in La Falda entschließen wir uns zu einem Besuch des schon erwähnten Hotel Eden, das von deutschen Auswanderern gebaut viele Berühmtheiten nach Argentinien gezogen hat. Heute ist das Hotel ein Museum, daß jeden Tag geöffnet hat, und auch oft in der Nacht die Pforten öffnet. Geistergeschichten werden dann erzählt und runden die ziemlich beeindruckende Reise durch die Geschichte dieser Mauern ab. Diese Geschichten ranken sich um die Erbauer, die späteren Besitzer, viele bekannte Hotelgäste und die Beziehungen der Eigentümer zu Adolf Hitler, welche dazu geführt haben, daß das Hotel von der argentinischen Regierung enteignet wurde.

01 Das ehemalige Luxushotel Eden02 keine Angst vor grossen Loewen03 wir besuchen das ehemalige Hotel04 das Hotel hat eine interessante Vergangenheit 05 auch hochrangige Nazis waren hier0607 die ehemalige Lichtkuppel08 Edle Tropfen lagerten im Keller09 Blick auf den Innenhof10 viel Prominenz besuchte diesen Ort1112

Wieder geht es per pedes hinauf auf den Cerro la Banderita, diesmal auf einem anderen Pfad. Und wieder ist die Tour ziemlich anstrengend, sie bietet aber wieder eine tolle Fernsicht über das Valle de Punilla. Oben angekommen bin ich total kaputt und wundere mich über diesen komplett ausgepowerten Zustand. Ein paar Tage später erfahren wir, daß wir wohl zwischenzeitlich eine Viruserkrankung hatten, deren Antikörper nun beim Bluttest gut festzustellen waren.

01 diesmal nehmen wir den anderen Aufstieg0203 immer weiter nach oben04 Pause mit einem tollen Ausblick0506 gleich sind wir ganz oben07 ziemlich windig am Gipfel08

4 Monate haben wir in Walters Haus verbracht! Und wir haben diese ungewohnte Sesshaftigkeit durchaus mal wieder genossen. Die täglichen Spaziergänge am Berg oder in das Dorf, diverse Stammkaffees, die wir immer wieder gerne besucht haben, oder das Haus generell, all das war für uns mal wieder eine willkommene Abwechslung. Der Winter in Cordoba hat uns sehr viele sonnige Tage gegönnt, an denen wir unser Frühstück im Freien am Pool oder auf der Terrasse mit Blick auf La Falda genossen haben. Und war es richtig kalt haben wir die Abende am Kaminfeuer verbracht oder die Gelegenheit zu einer Partie Billard genutzt. Wir bedanken uns bei Walter, daß er uns zu alldem die Möglichkeit gegeben und uns sein Haus vermietet hat.

01 La Falda02 kleine Passage im Ort03 heute fruehstuecken wir im Ort04 gesund und lecker0506 wieder zu Hause07 im Keller wartet der Billiardtisch auf uns08 Nette Abwechslung09 Claudia ist sehr kreativ in der Kueche10 Jeden Tag sind wir unterwegs11 wenn moeglich immer an der frischen Luft12 Hundekekse zum siebten Geburtstag13 zur Feier gibt es Ossobucco14 sogar aus Kolumbien kommen Geburtstagsgruesse15 wir geniessen die letzten Kaminabende16 Der Fruehling ist da - Zeit um wieder zu Reisen



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