Argentinien XXXIII
Gemeinsam mit Christiane und Horst geht es über die Ruta 3 nach Puerto Madryn. Bevor wir in die Stadt fahren, machen wir noch einen kleinen Abstecher an die „Playa Las Canteras“, um eventuell noch ein paar Wale auf der Durchreise zu entdecken. Doch zu dieser Jahreszeit ist es schon schwierig, noch auf Wale zu treffen und nach einer Nacht in der Nähe der Playa Doradilla geht es ohne Walsichtung nach Puerto Madryn.
Der uns bekannte Übernachtungsplatz an der Strandpromenade von Puerto Madryn ist leider mittlerweile für Wohnmobile verboten. Aktuell gibt es aber direkt gegenüber einen Schotterplatz, auf dem das Parken noch geduldet wird. Wir suchen uns einen ruhigen Platz, richten uns ein und nach einem Spaziergang entlang der schönen Uferpromenade geht’s zum Fischessen ins Restaurant Malon. Nach 5 Tagen in Puerto Madryn fahren wir an die „Playa Santa Isabel“ bei Rawson. Traumhaft und einsam stehen wir hier für ein paar Tage und genießen die Ruhe. Nur Meeresrauschen, kein Verkehrslärm oder laute Musik.... so ist es uns am liebsten. Die Strandspaziergänge sind außerdem sehr interessant. Sie führen uns zu einer Kolonie von Seeelefanten, vorbei an einem toten Wal, den es an Land gespült hat, sowie zu den Steinskulpturen am Strandabschnitt von „Artesanías Esculturas 2016“, welche nur bei Ebbe zu entdecken sind. Nach 4 erholsamen Tagen geht es nur ca. 80 km auf der RP1 weiter in südlicher Richtung, um den nächsten Strand zu erreichen, der ähnlich gute Eigenschaften aufzuweisen hat. Die Playa Escondida ist noch weiter abgelegen von größeren Ortschaften und daher noch einsamer. Auch hier liegen viele Seeelefanten am Strand und die Spaziergänge machen einfach Laune. Einer dieser Spaziergänge führt uns rund 3 km nach Süden und wir entdecken eine riesige Kolonie Seeelefanten unterhalb einer langgezogenen Klippe. Wir finden diesen Teil der Playa Escondida deutlich schöner als unseren bisherigen Übernachtungsplatz und entscheiden uns gemeinsam zu einem Umzug. Und stehen wieder auf einem Stellplatz der Marke „traumhaft“!!! Auf den nächsten Kilometern sind gleich mehrere Kolonien an Seeelefanten zu finden. Wir zählen über 200 dieser großen, gewichtigen Robben. Und es macht Spaß, die Gruppen zu beobachten, auch wenn sie zu 90 % des Tages nur faul am Strand liegen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Und da für die nächsten Tage nur Sonne angekündigt ist, bleiben wir einfach, so lange es uns gefällt.... ….oder eben bis sich das Wetter ändert. In zwei Tagen soll ein starker Sturm über die Gegend ziehen und wir machen uns dann doch lieber aus dem Staub. Da diese Gegend mehrheitlich flach und staubig ist, ist es gar nicht so leicht, einen Platz zu finden, an dem man sich ein wenig verstecken kann. Wir entscheiden uns, die 100 km zu einem Refugio namens „Cabo Raso“ in Angriff zu nehmen. Schon der Weg dorthin entlang der Ruta 1 hat seine „Foto-Momente“! Bei der Ankunft im Refugio Cabo Raso fragen wir uns erstmal, ob es hier überhaupt einen Platz gibt, der uns wirklich vor dem Sturm schützen soll. Alles ist genauso flach wie die letzten 100 km. Die beiden einzigen verbliebenen Einwohner von Cabo Raso, gleichzeitig Anbieter eines kleinen Restaurants, einem Minimarkt und einer Campingmöglichkeit, zeigen uns einen windgeschützten Platz auf der anderen Straßenseite hinter Büschen. Wir parken, spazieren die wenigen Sehenswürdigkeiten der Location ab, duschen und essen am Abend in dem gemütlichen Restaurant. Am nächsten Morgen geht’s dann los und der Sturm ist so heftig, daß wir ganz froh sind, uns für diesen Unterschlupf entschieden zu haben. Zwei Tage dauert das Unwetter und wir machen mal das, was wir am besten können. Siesta! Die Qualität des angebotenen Wassers bei Cabo Raso war nun nicht so, daß man sich das in den Wassertank schütten möchte und wir steuern das kleine Fischerdorf Camarones an. Hier finden wir brauchbares Wasser an einem öffentlich zugänglichen Wasserhahn und nutzen gleich die Möglichkeit, im historischen Supermarkt unseren Kühlschrank wieder zu füllen. Um die mittlerweile gewohnte Schlafqualität zu erhalten, geht’s zur Übernachtung an die Playa Piedras Blancas. Keine 20 km von diesem Schlafplatz entfernt liegt das „Cabo dos Bahias“. Ein Naturreservat in malerischer Kulisse, wo zu dieser Zeit knapp 20.000 Magelanpinguine anzutreffen sind. Christiane und Horst bieten uns an, auf Mia aufzupassen und so treffen wir uns an der Playa Caleta Carolina kurz vor der Pinguinkolonie und können diese in aller Ruhe besuchen.
Um die Tiere nicht zu stören, spaziert man hier auf erhöhten, aufwendig installierten Gitterwegen. Man hat Einblicke in die Nester und das bunte Treiben dieser lustigen Tierchen. Besonders gut gefällt uns der Blick auf die Bucht, an der die futterbringenden Elternteile mit irrer Geschwindigkeit einschwimmen und dann an den Strand hüpfen. Ohrenbetäubendes Geschrei der wartenden Elternteile lockt dann den jeweiligen Partner zu seinem Nest. Diese Szenerie so beobachten zu können, ist schon etwas besonderes. Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück bei Christiane und Horst und nehmen unseren Hund in Empfang, der uns nicht wirklich vermisst hat bei den Beiden. Nächster angepeilter Strand auf unserer Tour ist die Playa Patriada. Christiane und Horst haben für kurze Zeit andere Pläne und wollen zu Silvester wieder zu uns stoßen. Wir genießen unseren Weihnachtsabend mit Langusten und Spaghetti bei leckerem, argentinischem Weißwein. Zum Abschluß ein Tiramisu und ein kurzes wie für uns perfektes Weihnachten findet sein Ende.
Unsere Bremsen quietschen so laut, daß wir sie mal lieber kontrollieren lassen wollen. Beim „Imperium der Bremsen“ in Comodore Rivadavia übernehmen sie den Job, machen uns aber klar, daß das Quietschen von der schlechten Art der Bremsbeläge herrührt und die Bremskraft einwandfrei ist. Auch recht! Und weiter geht’s! Comodore Rivadavia ist eine ziemlich große Stadt. Kein Wunder also, daß der eigentlich angepeilte Übernachtungsplatz am stadtnahen Strand ziemlich gut besucht ist. Nach den letzten Wochen können wir so einen überfüllten Platz aber gar nicht gebrauchen und suchen uns einen ruhigeren Platz weiter südlich. Nach ein paar Kilometern kommen wir in eine Polizeikontrolle und fragen gleich den Comandante, wo wir denn hier in der Nähe schön ruhig am Strand übernachten könnten. Dein „Freund und Helfer“ zeigt uns doch tatsächlich einen perfekten Platz, nicht weit nach der Polizeistation. Nach 3 erholsamen Tagen treffen wir dann bei einer Seelöwen Kolonie bei Caleta Olivia wieder auf Christiane und Horst. Wir finden kurz vor Puerto Deseado eine Abfahrt zu einem Parkplatz am Rio Deseado, der perfekt geeignet ist, um hier am Silvesterabend gemütlich zusammenzusitzen und den Ausblick auf die gegenüberliegende Vogelinsel zu genießen. Es gibt hier kein Feuerwerk zu hören und wir freuen uns über ausschließlich(!) Naturgeräusche. Der Platz gefällt uns allen so gut, daß wir gleich mal eine ganze Woche hier bleiben werden! Der Rio Deseado wird zum Meer hin immer breiter und es sind auf den letzten Kilometern des Flusses einige Inseln zu finden. Eine dieser Inseln, die „Isla de los Pajaraos“, ist eine riesige Vogelinsel, auf die wir von unseren Wohnmobilen aus einen tollen Blick haben. Eine andere Insel im Meer beherbergt zahlreiche Seelöwen, während auf der Isla Pinguino viele Pinguine, in diesem Fall sogar die „Rock Hopper Pinguine“, zu finden sind. Im Hafen von Puerto Deseado werden von „Darwin Expediciones“ Bootstouren zur „Isla Pinguino“ angeboten und Claudia, Christiane und Horst kaufen sich ein Ticket. Mir fehlt die Lust auf weitere Pinguine und ich entscheide mich, die Mobile mit Mia zu bewachen. Danach wird mir aber von einer lohnenswerten Tour erzählt, die ich da verpasst habe. Die Drei haben viel Spaß mit einer Gruppe „Commerson Delfinen“, die das Boot eine Zeit lang begleiten. Auf den diversen Stationen der Tour beobachten sie viele Seelöwen, Magellan Pinguine, und vor allem die sogenannten Rock Hopper Pinguine, die einzige Kolonie die es in Patagonien gibt. Für zwei Tage geht es noch an die „Costa Norte“, einen anderen Strandabschnitt von Puerto Deseado. Hier genießen wir die vorerst letzten Tage an Argentiniens Küste. Und wir verabschieden uns auch von Christiane und Horst, deren Weg noch weiter in den Süden geht, während wir uns auf den Weg in Richtung Chile begeben. Unsere dreimonatige Aufenthaltserlaubnis für Argentinien neigt sich dem Ende zu. Bei dem Ort Fitz Roy geht es für uns quer durchs Land nach Westen. In Perito Moreno bleiben wir dann notgedrungen länger als geplant. Heftige Stürme sind gemeldet, Claudia verletzt sich den Knöchel und Mia hat Probleme mit den Augen. Der Wind und die vielen Spieleinheiten im Sand haben ihr wohl etwas zugesetzt und der Veterinär verordnet ihr Augentropfen. Diese zu Verabreichen ist für die nächsten Tage eine Herausforderung für uns, da Mia es – verständlicherweise – so gar nicht leiden mag. Aber mit Ruhe und kaputtem Knöchel schafft es Claudia dann doch immer wieder und Mia´s Augen werden von Tag zu Tag besser!