Argentinien XXXIV
Der Grenzübertritt am Paso Pehuenche verläuft schnell und unproblematisch. Fürs Erste! Gut, daß wir nur 10 km nach der Grenze am Rio Grande übernachten und für zwei Tage bleiben. Währenddessen fällt uns nämlich auf, daß der Eintrag von Claudia im argentinischen Online-System fehlt. Somit geht es zurück zum Grenzposten, wo wir den fehlenden Eintrag korrigieren lassen wollen, aber der Grenzbeamte findet den Eintrag in seinem System. Wir vergleichen jeden einzelnen Buchstaben, finden aber keine Abweichung. Trotzdem ist im Online-System, daß wir verwenden müssen, der Eintrag nicht zu finden. Der Beamte kann sich das nicht erklären! Wir machen ein Foto von seinem Bildschirm und hoffen, daß das für eventuelle Polizeikontrollen genügen wird.
Keine 140 km weiter und wir sind in Malargüe auf dem Campingplatz. Wir treffen dort wieder auf Christiane und Horst sowie auf Christine und Horst, ein Reisepaar, das wir letztes Jahr in San Antonio Areco kennengelernt haben. Und auch Negra, die Campinghündin, treibt sich auf dem Gelände herum. Die schwarze Hundedame wurde vor 5 Jahren (!) von unseren Reisefreunden Anke und Wolfgang durch die Pandemiezeit gefüttert und betreut. Sie erkennt uns – vor allem unsere Mia – wieder und begleitet uns auf allen Spaziergängen.
Nach einer Woche in Malargüe zieht es uns wieder hinauf in höhere Gefilde, in das Skigebiet Las Lenas. Hier sind im Winter viele Touristen unterwegs, im Sommer sind hier kaum Leute anzutreffen. Somit wandern wir meist alleine die diversen Wege hinauf zu den Liftstationen und Berghütten, alles außer Betrieb und geschlossen. Nach 3 Tagen entscheiden wir uns, den Weg in das „Valle Hermoso“ in Angriff zu nehmen. Wir wissen, daß das für unser Fahrzeug problematisch werden könnte, aber einen Versuch ist es wert. Es geht steil hinauf und durch diverse Bachläufe. Die ersten vier Bachdurchquerungen lassen sich noch mit einigem Aufwand erledigen. Gute 90 Minuten später, nach ca. 6 Kilometern, ist beim fünften Bachlauf die Tour für uns beendet. Die Straße führt durch einen Bach in einer Kurve mit steiler Auffahrt am anderen Ufer. Unser Überhang ist dafür zu lang.
Wir drehen um und suchen uns diesmal einen anderen Stellplatz unterhalb von Las Lenas am Rio Salado, um neue Wanderwege in der Umgebung zu erkunden. Außer mehreren Gruppen von Gauchos, die ihre Viehherden ins Tal treiben, sehen wir auch hier keinen Menschen. Nach weiteren zwei Tagen in dieser Einsamkeit wird es nun aber auch Zeit, in etwas bewohntere Regionen mit mehr Unterhaltung zu fahren.
Und da bietet es sich doch an, mal wieder ins Valle de Uco zu fahren. Im Vorjahr hatten wir hier schon verschiedenen Weingütern einen Besuch abgestattet und waren ziemlich begeistert. Claudia liest von einer sehr gut bewerteten Bodega namens „Claroscuro“. Wir parken auf deren Gelände und lassen uns von einer Angestellten die Weinproduktion und die Lagerung erklären. Noch bevor wir ins Restaurant gehen, fragt uns einer der Kellner, ob wir unseren Hund wohl im Auto lassen wollen!?! Wie jetzt? Er macht uns klar, daß er keinerlei Probleme mit Hund im Restaurant sieht und fragt noch extra zwei andere Gäste im Lokal, ob die vielleicht ein Problem damit hätten. Somit holen wir Mia aus dem Wohnmobil und genießen ein tolles Menü mit riesigem T-Bone-Steak als Höhepunkt! Nachdem auch der Wein lecker war, sind wir froh, auf dem Parkplatz der Bodega übernachten zu dürfen.
Gemütlich fahren wir weiter durch das Valle de Uco und halten im Ort Manzana Historico. Hier ist in der Nebensaison so gut wie alles geschlossen. Wir spazieren noch ein wenig durch den Ort, entscheiden uns dann aber, unsere Reisefreunde zu besuchen. Denn Christiane und Horst haben zwischenzeitlich auch eine Weinprobe in der Umgebung hinter sich gebracht und informierten uns von ihrem schönen, ruhigen Stellplatz im „Valle de Tupungato“ unterhalb einer riesigen Christus-Statue.
Der Weg nach Norden führt uns wieder nach Mendoza. Uns gefällt der Stadtteil „Quinta Sección“ am Parque General San Martin sehr gut. Die Flaniermeile in der Avenida Aristides Villanueva ist ein perfekter Einstieg zu einem Spaziergang durch die Stadt. Durch die Universität am Anfang der Straße ist hier vor allem am Abend richtig Betrieb mit Jung und Alt aus vielen Ländern. Klar sind daher auch die Bars und Restaurants sehr zu empfehlen und gut besucht. Und am nächsten Morgen genießen wir die Spaziergänge durch den Parque bei unserer Morgenrunde mit vielen Menschen dieser Metropole, die sich hier für alle möglichen sportlichen Aktivitäten einfinden.
Es wurde uns ein Besuch der Bodega „Milagro“ in Villa General San Martin nahegelegt und für gute Tipps sind wir immer zu haben. Der Abstecher in diese Bodega ist für uns sehr lohnenswert. Im kleinen Verkaufsshop an der Straße decken wir uns erst mit Schinken, Salami, Käse und Wein ein. Dann lassen wir uns von einer Angestellten die Weinproduktion zeigen, die sich in diesem alten, urigen Weingut schon ein wenig von denen unterscheidet, die uns bislang gezeigt wurden. Hier ist noch ordentlich Handarbeit angesagt und das lässt natürlich keine große Mengen an Weinproduktion zu. Aber uns schmeckt der junge Wein und die Anlage verfügt nicht nur über viele Kunstwerke, sondern der Besitzer zeigt uns noch seine urigen Wohnprojekte, in denen zukünftig Touristen übernachten können.
Das Valle Encantado ist bei den meisten Panamericana - Reisenden nicht auf dem Plan. Es ist einfach zu wenig bekannt und daher kaum besucht. Wir stehen auf dem Parkplatz „Mirador Camino a Mogna“ alleine und verbringen schon mal eine Nacht in absoluter Ruhe mit einem gigantischen Sternenhimmel. Am nächsten Morgen machen wir dann die Wanderung ins Valle Encantado, für die es am Eingang einen kleinen Plan zu finden gibt. Je tiefer wir uns ins Tal begeben, desto besser gefällt uns diese tolle Landschaft. Die Wanderung ist ein wenig anspruchsvoller und für Mia das ein oder andere Mal nicht ohne Hilfe zu bezwingen. Wir lassen uns Zeit und verbringen über 6 Stunden im Valle Encantado mit seinen speziellen Gesteinsformationen, Dünen und ausgetrockneten Flußläufen.
Wieder zurück auf der Ruta 40 geht es nach Norden noch ca. 60 km bis zum Stausee „Embalse Cauquenes“ und wir übernachten dort. Am nächsten Morgen fahren wir die reizvolle Strecke in Richtung Villa Union, bis wir zu einem Tal kommen, das den Namen „Vallecito Encantado“ trägt. Dieses Tal in der Provinz „La Rioja“ liegt schon zum dritten Mal direkt auf unserer Route und wir kennen schon den Wanderweg und diverse Übernachtungsplätze. Der Wanderweg führt uns vorbei an bizarren Gesteinsformationen wie dem „Copa del Mundo“, ein Felsblock geformt wie der WM-Pokal im Fußball. Wie die anderen Gebilde mit Namen wie „Sombrero Mexicano“, das Boot "Barquito de Papel“ oder das Mumienprofil „Perfil de la Momia“ soll auch der WM-Pokal sagenhafte 360 Millionen Jahre alt sein.
Wir passieren Villa Union und übernachten in Chilecito. Claudia entdeckt den „Eco Park El Puente Colgante“ auf unserem Weg. Der Freizeitpark wurde angelegt, um mehr Touristen in dieses Gebiet zu locken. Aber aktuell sind keine Ferien in Argentinien, es ist Dienstag und kein Mensch weit und breit. Wir genießen eine Nacht am Ufer des Rio Colorado und sind erstaunt, daß die Brücke nachts sogar ziemlich originell beleuchtet ist.
Die nächsten Tage geht es etwas zügiger voran. Wir haben eine Verabredung mit Christiane und Horst. Mit den Beiden haben wir im letzten Jahr sehr lecker in Cafayate in einem Restaurant gespeist. Und nachdem für uns alle der Ort Cafayate wieder einmal auf dem Weg liegt, reservieren wir einen Tisch für Sonntag im „La Estancia de Cafayate Wine & Golf“ . Geparkt wird am Campingplatz Luz Y Fuerza. Das Taxi bringt uns die 6 km bis zum Clubhaus des Golfplatzes und wir sind happy, daß wir dieses ausgezeichnete Restaurant in dieser tollen Location erneut genießen dürfen.
Mit Christiane und Horst geht es dann nur ein paar Kilometer außerhalb von Cafayate in die Gegend um „Quebrada de las Conchas“. Da wir alle gerne wandern, bietet sich dieses Region einfach an, noch ein paar Tage hier zu verweilen. Wir stehen am Rand einer Sandstraße unterhalb des Felsenbogens „La Ventanita“ und starten von hier unser ersten Touren. Und die machen einfach Spaß! Bei dieser Landschaft kein Wunder.
Am nächsten Tag geht’s dann nur ein paar Kilometer weiter in der Quebrada zu einem unserer Lieblingswanderwege. Der Sendero geht vorbei an der Felsformation „La Yesera“ über einen Kamm in ein Nachbartal und zurück, das sind rund 12 km. Das Wetter ist perfekt und wir haben allesamt Spaß an diesem grandiosen Rundweg. Da der Weg nicht beschildert und nur über Wikilog beschrieben ist, sind wir den ganzen Tag über alleine unterwegs.
Die Idee, wie früher nach der Wanderung gleich am Fluß zu übernachten, macht uns ein Ranger zunichte. Er weist uns freundlich darauf hin, daß es mittlerweile im ganzen Tal verboten sei, hier zu übernachten. Schließlich fahren wir zurück zum Nachtplatz von gestern und schlafen somit nochmals in der Quebrada in Stille und einem einmaligen Sternenhimmel. Unsere Reisefreunde verlassen uns am nächsten Morgen und wir entscheiden uns, noch ein paar Tage in Cafayate zu verbringen. Nach vier Tagen am Camping mit diversen Besuchen im Ort und am Golfplatz halten wir bei der Abreise noch schnell beim Weingut Piatelli. Hier gibt es zufällig unser Lieblingströpfchen beim Kauf in der Estancia mit Mengenrabatt. Na dann.....
Wir müssen bald raus aus Argentinien und planen über Salta in Richtung Paraguay zu fahren. Zum Glück sind wir nicht allzu weit von Salta entfernt, als es ein paar ungewohnte Geräusche an den Vorderrädern gibt, die uns gleich zu Guillermo fahren lassen. Guillermo´s Werkstatt in Salta hat uns schon ein paar Mal gute Dienste erwiesen und sein Mechaniker erkennt ein Problem mit den Stoßdämpfern. Neue Dämpfer sind gekauft und werden eingebaut. Zwischenzeitlich nehmen wir ein Taxi und fahren ins Stadtzentrum. Ich brauche einen Haarschnitt und werde im ältesten Friseursalon von Salta fündig. Am nächsten Tag ist unser Mobil repariert und los geht die Tour in Richtung Asuncion nach Paraguay.